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02.01.2006

08:48 Uhr

Entführungen

Kommentar: Eigenes Risiko

VonThomas Hanke

Osthoff frei, Chrobog samt Familie entführt; Chrobog frei, fünf Italiener als Geiseln genommen. Entführungen scheinen in diesen Tagen wie am Fließband stattzufinden. Die Forderung, die Opfer an den Kosten ihrer Befreiung durch den Staat zu beteiligen, leichtsinniges Verhalten zu verhindern oder zu sanktionieren, werden lauter.

Die Reaktion, man solle Deutsche zur Not mit Zwang von den Gefahrenherden fern halten, damit die Außenministerien westlicher Länder nicht zu Krisenstäben mit angeschlossenem diplomatischem Dienst werden, ist verständlich. Als allgemein gültige Antwort auf Erpressungsversuche durch Geiselnahmen taugt sie jedoch wenig.

In zu vielen Ländern dieser Erde ist die Entführung zu einer schon fast alltäglichen Spielart des kriminellen Gewerbes geworden: In Ländern wie Venezuela, Kolumbien, Mexiko gehen die Fälle jährlich in die Tausende. Dennoch leben und arbeiten sehr viele Deutsche vor Ort. Sie sichern sich ab, so gut es geht: Sie passen ihr Alltagsverhalten an die Gefahr an. Wenn möglich und finanziell tragbar, arrangiert man sich sogar mit Drogenbanden und Paramilitärs und zahlt, um nicht Opfer zu werden. Es gibt eben nur extrem wenige Länder, in denen man so sicher lebt wie in Deutschland, und der Rückzug aus allen Gefahrengebieten ist schlechterdings unmöglich.

Allerdings gilt auch: So faszinierend der Jemen ist, solange ein Tourist sich nicht schützen kann, sollte er ihn eben nicht aufsuchen, sondern nur im Bildband bewundern. Staatliche Verbote braucht es nicht: Mehr realistische Berichte über die Angstzustände, unter denen Entführte noch Jahre später leiden, würden schon für besseres Risikobewusstsein sorgen.

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