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29.03.2012

10:47 Uhr

Erbschaftssteuer

Eine Bagatellsteuer, die richtig weh tun kann

VonAxel Schrinner

Die Erbschaftssteuer bringt kaum einen nennenswerten Betrag ein, belastet einige Erben aber erheblich. Die jetzt vorgeschlagene Reform würde für fast alle Seiten Vorteile bringen. Bis auf eine spezielle Berufsgruppe.

170 000 Deutsche zahlen pro Jahr Erbschaft- oder Schenkungsteuer. gms

170 000 Deutsche zahlen pro Jahr Erbschaft- oder Schenkungsteuer.

Über kaum eine Steuer wird so emotional diskutiert wie über die Erbschaftsteuer. Die große Mehrheit hält das Aufkommen von 4,2 Milliarden Euro angesichts einer Erbschaftswelle von rund 200 Milliarden Euro pro Jahr für viel zu gering – und die, die von der Steuer betroffen sind, sprechen gern von Enteignung. So paradox es klingen mag: Beide Seiten haben gar nicht so unrecht.

Zum einen ist die Erbschaftsteuer aus Sicht des Fiskus heute fast schon eine Bagatellsteuer, deren Aufkommen dem eines halben Mehrwertsteuerpunktes oder einem Drittel des Grundsteueraufkommens oder der Hälfte des Kfz-Steueraufkommens entspricht. Der Anteil der Erbschaftsteuer am Gesamtsteueraufkommen beträgt deutlich weniger als ein Prozent.

Zum anderen zwingen die hohen Steuersätze von bis zu 30 Prozent für enge Verwandte beziehungsweise Ehepartner und sogar bis zu 50 Prozent für Dritte dazu, durch Steuergestaltung der Steuer auszuweichen. Und weil auch der Gesetzgeber begriffen hat, dass ein Unternehmenserbe nicht mal eben Zigmillionen an den Fiskus überweisen kann, ohne den Fortbestand seines Betriebs zu gefährden, gibt es komplizierte Verschonungsregeln, die letztlich gerade jene von der Erbschaftsteuer verschonen, die sie eigentlich zahlen sollten.

Der Autor ist Redakteur des Handelsblatts. Pablo Castagnola

Der Autor ist Redakteur des Handelsblatts.

Laut Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik gab es zuletzt gut 170 000 steuerpflichtige Übertragungen pro Jahr. Im Schnitt waren knapp 25 000 Euro Steuer fällig. Allerdings ist die Aussagekraft dieses Durchschnittswerts begrenzt. Denn gut ein Viertel des Gesamtaufkommens, reichlich eine Milliarde Euro, wurde von nur 562 Steuerpflichtigen gezahlt.

Kommentare (21)

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Hermann.12

29.03.2012, 11:10 Uhr

Letztlich wird hier zwar das Problem aufgezeigt, aber keine sinnvolle Lösung vorgeschlagen. Was von der ErbSt zu 100% ausgenommen werden sollte ist Betriebsvermögen, das aus Produktionsmitteln und dem darauf beruhenden Unternehmenswert besteht. Denn diese Werte sind lediglich Bonitätsvermögen, die im Zweifelsfalle sogar niemals am Markt erzielt würden.
Denn dieser Wert ist nur bei einwem Verkauf real.
Anders sieht es mit liquiden Vermögensteilen aus, die lediglich in der Firma geparkt werden und vermögensverwaltenden Firmen.
Völlig unsinnig ist die bestehende Regel der Regierung Schröder, die Entlastungen von der Festschreibung der Belegschaftshöhe abhängig machten, die bestenfalls bei Konzernen und großen mittelständischen Unternehmen kalkuilierbar ist. Diese Regel hat zu einem merkbaren Beschäftigungsabbau vor dem Erbfall geführt, um keine unkalkulierbaren Risiken einzugehen.
Da es aber hier nur darum geht Steuereinnahmen zu erzieln, ist von sinnvollen regeln wohl nicht auszugehen.
Finanzwissenschaftler hin oder her, ihre Empfehlungen sind nur so gut, wie die Vorgaben, die ihnen zugrundegelegt wurden.

H.

Account gelöscht!

29.03.2012, 11:26 Uhr

"Da es aber hier nur darum geht Steuereinnahmen zu erzieln, ist von sinnvollen regeln wohl nicht auszugehen."

Bravo, Hermann.12, Sie sagen es! Um nichts anderes geht es.

APE

29.03.2012, 11:46 Uhr

Da das Erben von Vermögen, das man zu Lebzeiten nicht mehr ausgeben kann, eine wesentliche Ursache für die Umverteilung des Vermögens von unten nach oben ist, wäre eine hohe Besteuerung zur sozialen Regulierung durchaus sinnvoll.

Auch wenn jeder, der etwas zu erben hat, es nicht schön findet, wäre ein Prinzip, bei dem jeder vorwiegend die Früchte seiner eigenen Arbeit erntet und verzehrt, sinnvoll.

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