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23.01.2007

11:23 Uhr

Erdölverbrauch

Noch glänzt das schwarze Gold

VonHeinz Jürgen Schürmann

Das kommerzielle Ölzeitalter hält nun schon 150 Jahre an. 1859 begann mit dem ersten gezielten Aufschluss eines Bohrlochs in Titusville in Pennsylvania die umfangreiche Nutzung. Öl war der Energieträger der Industrialisierung, doch mittlerweile ist es in seine Reifephase gekommen. Wird seine Bedeutung in naher Zukunft abnehmen?

In Europa, nicht zuletzt in Deutschland hat, was den Verbrauch angeht, schon ein Schrumpfungsprozess eingesetzt. Dagegen steigt der Verbrauch in den USA weiter, und in Asien hat sogar ein Wachstumsschub begonnen: Auf China entfällt mittlerweile die Hälfte des weltweiten Nachfrageanstiegs nach Energie. Der Bedarf ist gewaltig: Heute besitzen im Reich der Mitte erst 15 von 1000 Einwohnern ein Auto, 2020 sollen es 90 sein. In den OECD-Staaten liegt die Zahl bei beinahe 500 Autos je 1000 Einwohner.

Vor allem der Energiehunger der Schwellenländer hat dem Erdöl im vergangenen Jahr Rekordpreise von über 75 Dollar je Barrel (159 l) beschert, gut siebenmal so hoch wie Ende der neunziger Jahre. Doch trotz des Preisanstiegs wird das Erdöl in den nächsten Jahren die Nummer eins in der Energieversorgung bleiben. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris rechnet bis zum Jahr 2030 mit weltweiten Verbrauchszuwächsen in der Größenordnung von einem Prozent pro Jahr. Nach den Hochrechnungen aus Paris würde der Anteil des Öls am globalen Primärenergieverbrauch lediglich von 35 Prozent (2004) auf 32 bis 33 Prozent (2030) sinken. Die IEA-Experten rechnen nicht damit, dass der Welt so bald das Öl ausgehen wird.

Diese Aussage beinhaltet aber keine energiepolitische Entwarnung. Auch wenn die Preise aktuell deutlich unter den Spitzen von 2006 liegen: Das Zeitalter des billigen Öls ist vorbei. Die Investitionen müssen in den nächsten Jahren erheblich gesteigert werden, wenn Versorgungsengpässe verhindert werden sollen. Denn das konventionelle Erdöl erreicht schon bald seinen Förderhöhepunkt. Dann müssen Ölsande, Ölschiefer, Schwerstöl, Bitumen und synthetisches Erdöl erschlossen werden. Außerdem brauchen wir mehr Biorohstoffe als Beimischung zu Kraftstoffen: Um die stark wachsenden Abhängigkeiten von Öllieferungen aus dem Nahen Osten und anderen politisch instabilen Regionen einigermaßen zu begrenzen und um die Kohlendioxid-Emissionen nicht weiter anwachsen zu lassen.

Zunehmend zum Problem werden die staatlichen Zugangsbarrieren. Die schnell und kostengünstig zu erschließenden Ölvorräte sind zu mehr als 80 Prozent in der Hand staatlich kontrollierter Unternehmen, deren Investitionsneigung in der Regel relativ gering ist. Die Machthaber in den Ländern mit attraktiven Vorräten sind daran interessiert, dass die Weltölmärkte knapp gehalten werden.

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