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27.06.2014

10:29 Uhr

Erfahrungsbericht

Geld zurück von Germanwings

VonJan Keuchel

Die Lufthansa plant außer Germanwings angeblich eine weitere Billig-Airline. Handelsblatt-Redakteur Jan Keuchel hat nach seinem Rückflug von Bari schon genug von der Ersten. Ein Erfahrungsbericht.

Eine Maschine der Germanwings im Anflug auf Köln-Bonn: Verzögerung bis in die Nacht und die Hotline nicht erreichbar. dpa

Eine Maschine der Germanwings im Anflug auf Köln-Bonn: Verzögerung bis in die Nacht und die Hotline nicht erreichbar.

Billig-Airlines scheinen sich zu rentieren. Laut einem Bericht des „Spiegel“ will die Lufthansa neben ihrer Tochter Germanwings nun noch einen weiteren Billig-Anbieter an den Start bringen. Dabei habe ich gerade beschlossen, schon den ersten Lufthansa-Ableger künftig zu meiden.

Warum? Sagen wir mal so: Konsequenter als Germanwings hat es bisher noch niemand geschafft, mir in kürzester Zeit die gerade erst getankte Urlaubserholung zu rauben. Und nicht nur mir. Allen Passagieren von Flug 4U 9873.

Jan Keuchel ist Investigativredakteur beim Handelsblatt Pablo Castagnola

Jan Keuchel ist Investigativredakteur beim Handelsblatt

Dabei hat Germanwings so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, wenn man im Kundengeschäft tätig ist. Satte sieben Stunden Verspätung, keine Informationen, keine Entschuldigung. Immerhin: So wie es scheint, können nun alle Passagiere auf finanzielle Entschädigung hoffen.

Doch der Reihe nach. Flug 4U 9873 sollte uns um die Mittagszeit von Bari in Italien zurück nach Düsseldorf bringen. Dort allerdings kamen wir nie an. Am Ende verzögerte sich der Flug bis in die Nacht hinein. Und in Düsseldorf herrscht Nachtflugverbot.

Deshalb landeten all jene, die eigentlich in Bari um 14:55 Uhr abfliegen und gegen 17:15 Uhr in der NRW-Hauptstadt ankommen sollten, nach Mitternacht in Köln. Von dort aus ging es im Bus nach Düsseldorf. Die meisten dürften nicht vor zwei Uhr Nachts zuhause gewesen sein. Wer Anschlussflüge hatte, schaute ganz in die Röhre. Wo die Mitreisenden aus dem Ruhrgebiet am Ende strandeten, entzieht sich meiner Kenntnis – und wohl auch der von Germanwings.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Denn das Schicksal der Kunden war Germanwings offenbar herzlich egal. Bis zum Abflug um 22 Uhr wusste niemand so recht, was am Ende mit ihm passieren würde. Kein Ansprechpartner vor Ort in Bari. Nach einem Transport per Bus aufs Rollfeld, der damit endete, dass wir Passagiere wieder in der Abflughalle ausgesetzt wurden, verabschiedete sich die für das Boarding zuständige Dame mit dem schlichten Hinweis „technical check“ – und den wenig beruhigenden Worten, man werde schon auf jeden Fall irgendwie noch nach Hause kommen. Danach war niemand mehr zu sehen.

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