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11.12.2012

14:40 Uhr

EU-Patent

Keine Macht den Diven

VonThomas Ludwig

Das EU-Patent kommt - allerdings ohne die Mitgliedsstaaten Spanien und Italien. Das ist schade, aber nicht schlimm. Denn im globalen Konkurrenzkampf heißt es: besser pragmatisch überleben, als in Schönheit zu sterben.

Italiens Premierminister Mario Monti schüttelt seinem spanischen Kollegen Mariano Rajoy die Hand: Beide Länder wollen das EU-Patent nicht einführen. dapd

Italiens Premierminister Mario Monti schüttelt seinem spanischen Kollegen Mariano Rajoy die Hand: Beide Länder wollen das EU-Patent nicht einführen.

BrüsselDeutsche Tüftler stehen mit mehr als 33.000 Patentanmeldungen an der Spitze. Das entspricht einem Anteil von gut 13 Prozent an den europäischen Patentanmeldungen. Es folgen Frankreich mit 12.100, die Schweiz mit knapp 7800 sowie Großbritannien und die Niederlande mit jeweils deutlich über 6000 Anmeldungen. Zum Vergleich: Spanien und Italien brachten es zuletzt gemeinsam auf etwa 7400 Patente.

Thomas Ludwig ist Handelsblatt-Korrespondent in Brüssel. Pablo Castagnola

Thomas Ludwig ist Handelsblatt-Korrespondent in Brüssel.

Unternehmen und Wirtschaftsverbände haben eine kleine Ewigkeit lang die im weltweiten Vergleich überhöhten Kosten für europäische Patente beklagt. Doch eine Einigung auf ein Gemeinschaftspatent war Jahrzehnte daran gescheitert, dass man sich nicht auf ein System rechtsverbindlicher Übersetzungssprachen hatte einigen können.

Nun hat die anhaltende Wirtschaftskrise die Mehrheit der Staaten zum Umdenken gezwungen. Sie mussten einsehen: Unter dem Wettbewerbsdruck der Globalisierung hat nur der eine Überlebenschance, der sich verändernden Umständen anpasst. Was Forschung und Entwicklung angeht, macht den US-Amerikanern so schnell niemand etwas vor. Und die Chinesen holen seit Jahren massiv auf. Da darf Europa ruhig ein bisschen Gegenwehr zeigen.

Italiener und Spanier mögen noch so lange von der Schönheit ihrer Sprachen schwärmen - die Wirtschaftswelt interessieren allein Kosten, nicht Konsonanten und Vokale. Dass sich ausgerechnet zwei große Volkswirtschaften, die gemeinsam nicht einmal zehn Prozent der Erfindungen und Innovationen in Europa beisteuern, über Jahre hinweg derart quergestellt haben und immer noch querstellen, ist skandalös genug. Hätten sie stattdessen doch der Bildung Beine gemacht, um den Erfindergeist in ihren Ländern zu beflügeln!

Kulturelle Eigenarten in Ehren. Dass die EU-Partner nicht gewillt sind, sich den Allüren der Diven aus dem Süden länger zu beugen, ist ein vielversprechendes Signal. Nicht die Lahmen bringen Europa voran, sondern all jene, die begriffen haben: besser pragmatisch überleben, als in Schönheit zu sterben.

Kommentare (1)

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downsizing

11.12.2012, 15:47 Uhr

ich kennen allerdings 2 weitere Diven. Allem voran Frankreich. Das Italien und Spanien auch Ihre Patente in Ihrer Landessprache übersetzt sehen würden ist verständlich.
Die Spaltung Europas schreitet weiter voran

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