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17.05.2012

12:41 Uhr

Euro-Gruppen-Vorsitz

Deutscher Kassenwart oder Euro-Moderator?

VonMichael Inacker

Nach langem Zögern bewirbt sich Schäuble nun um das Amt des Euro-Gruppen-Chef. Er will Finanzminister bleiben und beides miteinander vereinbaren. Hält Schäuble der Belastung stand? Hat Deutschland Nutzen oder Schaden?

Hat seinen Hut in den Ring geworfen: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will Euro-Gruppen-Chef werden. dapd

Hat seinen Hut in den Ring geworfen: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will Euro-Gruppen-Chef werden.

Wolfgang Schäuble ist ein alter Fuchs. Erst jetzt - nach wochenlangen Spekulationen - hat sich der Finanzminister zu Wort gemeldet und quasi "offiziell" seinen Hut in den Ring geworfen, um Chef der wichtigen Gruppe der Euro-Staaten zu werden. Damit ist davon auszugehen, dass diese Personalie in trockenen Tüchern ist - und neben Kanzlerin Merkel auch die anderen Regierungen ihren Segen gegeben haben.

Merkel und ihr wichtigster Minister haben es sich mit dieser Entscheidung nicht leicht gemacht. Zwei unterschiedliche Machtfaktoren waren zu berücksichtigen. Erstens wollte Merkel eine Kabinettsumbildung vermeiden: Schäuble wird also wie sein Vorgänger, der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker, nationales Regierungsamt und den Vorsitz der Euro-Gruppe in Personalunion ausüben. Eine Strapaze für ihn, denn bereits die Belastungen als Finanzminister sind groß.

Michael J. Inacker leitet das das Berliner Büro und stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts. Schuering

Michael J. Inacker leitet das das Berliner Büro und stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts.

Zweitens aber haben Schäuble und Merkel lange diskutiert, ob seine Rolle als deutscher Mr. Euro den Interessen Deutschlands hilft oder eher schadet. Denn bislang konnte Schäuble in den Sitzungen sehr deutlich den deutschen Hebel ansetzen und eine harte Haltung einnehmen. Als Vorsitzender der Euro-Gruppe ist er aber weniger deutscher Kassenwart als ausgleichender Moderator. Wie also kann Deutschland künftig seine Interessen wahrnehmen, wenn Schäuble als wandelnder Vermittlungsausschuss fungieren muss?

Bei dem gewieften Taktiker Schäuble ist davon auszugehen, dass ihm beides gelingt - Ausgleich und Interessenwahrung. Letztlich hat er als Vorsitzender der Euro-Gruppe mehr Möglichkeiten, das deutsche Profil im Euro-Krisenmanagement zu schärfen als bislang. Und Merkel und Schäuble ahnen, dass die Euro-Rettung zu einem nationalen Anliegen wird - denn die Verunsicherung in der Bevölkerung wächst, ob denn alles, was da in Berlin und Brüssel ausgeheckt wird, wirklich noch dem Land dient oder nicht Milliarden Euro versenkt werden. Zudem kippt in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Stimmung - weshalb Schäubles Personalie rechtzeitig vor den bevorstehenden Abstimmungen über Rettungsschirm und Fiskalpakt die Gemüter der eigenen Truppen beruhigen soll.

Schäubles politische Lebenslinie hatte immer viel mit der fruchtbaren Verbindung von Patriotismus und europäischer Idee zu tun. Nicht alles war konsistent, und als "konservativer" Hoffnungsträger hat er auch nie wirklich getaugt. Aber in seiner Rolle als Euro-Retter ist er mehr bei sich als in vielen Ämtern zuvor. Dazu passt, dass Schäuble am Donnerstag der Karlspreis für seine Verdienste um die europäische Einigung verliehen wird. Damit tritt er auch europapolitisch aus dem Schatten seines ungeliebten Übervaters Helmut Kohl.

Kommentare (15)

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Skyjumper

15.05.2012, 22:34 Uhr

"Hat Deutschland Nutzen oder Schaden?"

Das hängt, um es mal vollkommen unkorrekt auszudrücken, davon ab ob Schäuble gesundheitlich damit zurechtkommt. Reisst es ihn bei der Doppelbelastung von den Socken wäre es zum Nutzen von Deutschland.

c173592

15.05.2012, 23:10 Uhr

Herr schäuble weiß wie man mit schwarzen geldkoffern und bar-schecks umzugehen hat.

Auch möchte er gerne Zivilflugzeuge von der Bundeswehr innerhalb Deutschlands abschießen und dafür das Grundgesetz ändern.

Dann fordert er natürlich auch staatliche Trojaner und alle möglichen Stasimethoden...aber wer gegen seine forderungen ist versteht die Freiheit falsch, natürlich.

Dr.NorbertLeineweber

15.05.2012, 23:20 Uhr

Schäuble taugt wohl kaum zum Kassenwart. Ihm fehlen die volkswirtschaftlichen Kenntnisse. Schäuble müsste man zwingen das Interview mit Allan Meltzer "Die Idee der Euro-Zone war ein Fehler", zu lesen. Seine Gehirnfunktionen würde kollabieren und die Hirnströme nach einem letzten, heftigen Ausschlag, brach liegen. So könnte man Schäubles fulminanten Aufschwung in der EU gerade noch stoppen. Sollte Schäuble lieber SUDOKU spielen wollen, statt den Artikel zu lesen, sollte man ihn kurz wegsperren und ihm die Inhalte über ein Megafon ans Ohr und legen. Schäuble bekommt dann einen wissenschaftlichen Tinnitus und kann nicht mehr hören, was um ihn herum passiert. Er bräuchte dann ein riesiges fahrbares Hörgerät, um die Eingebungen von Van Rompy und Barroso zu hören. Das wäre zumindest ein gewisses handicap für Brüssel.

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