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26.07.2012

15:00 Uhr

Euro-Krise

Keine Angst vor der Wall Street!

Europa ist stärker als viele Europäer das glauben. Auch wenn die anglo-amerikanische Finanzaristokratie gerne etwas anderes behauptet.

Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. PR

Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank.

Die Ratingagentur Moody’s hat nachgelegt. Wenn die Top-Bonitäten der Eurozone herabgesetzt werden, dann muss natürlich auch bei den Bundesländern, den Banken und dem Rettungsfonds EFSF nachgelegt werden. Aus Sicht von Moody’s war das zwingend erforderlich. Die sich verschärfende Eurokrise mit den entsprechenden Folgen für die Staatshaushalte ist der Grund für die veränderte Einschätzung der Rating-Experten.

In diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage, was eine zunehmende Krise, an deren Ende der Zerfall der Eurozone stehen könnte, für Auswirkungen hätte auf die Weltwirtschaft? Zumal die sich derzeit ohnehin abschwächt. Es würde zu großen Problemen in den USA und vor allen Dingen in Großbritannien kommen; das betrifft die Konjunktur in diesen Ländern, in der Folge aber auch deren Staatshaushalte. Immerhin beträgt die Neuverschuldung dort acht bis zehn Prozent, während sie in der Eurozone bei drei Prozent des BIP liegt.

Wieso ändert sich nicht der Ausblick für die USA und Großbritannien? Es bleibt ein Beigeschmack, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Wenn die Politik in der Eurozone diese Attacken weiterhin ohne Reaktion duldet, darf sich die Eurozone nicht wundern, wenn man sie übervorteilt.

Die US-Ratingagenturen, die den amerikanisch-britischen Finanzaristokraten gehören, sind Teil des ordnungspolitischen Rahmens des US-zentrischen Finanzsystems, das in Bretton Woods 1944 geboren wurde. Sie sind ein wichtiges Verbindungselement der Achse New York - London am Finanzmarkt.

Ein offensichtlicher Missbrauch dieser Macht ist in den letzten 15 Jahren erkennbar. Er ist unter anderem definiert durch die Ignoranz gegenüber den Erfolgen der kontinentaleuropäischen Reformländer. Das betrifft den Schuldenabbau der öffentlichen Haushalte, die Umstrukturierung der Geschäftsmodelle und den Abbau der Ungleichgewichte in der Waren und Dienstleistungsbilanz bei gleichzeitiger Toleranz der Schuldenpolitik in den USA.

Das aktuelle Verhalten der US-Agenturen kommt einer Aufforderung an die kontinentaleuropäische Politik gleich, sich von den Zentren in New York und London weitgehend zu emanzipieren.

Der Rechtsrahmen innerhalb Kontinentaleuropas ist so zu ändern, dass die Urteile der Agenturen keine bindende rechtliche Wirkung mehr hat. Darüber sollten Bilanzierungsregeln abgeschafft werden, die Kurzfristigkeit zur Maxime haben und schlussendlich zu einer Homogenisierung von Bilanzstrukturen führen, die systemisch gefährlich sind und zu Marktmanipulationen führen. Wirtschaft braucht Zeit. Ansätze des HGB sollten wiederbelebt werden. Mehr noch sollte die Deregulierung der Finanzmärkte der letzten 20 Jahre auf den Prüfstand gestellt werden. Die globale Bankenaristokratie muss in Größenordnungen zerlegt werden, die den Ansprüchen einer Volkswirtschaft entspricht.

Wenn diese Themen adressiert werden und die Verantwortlichen der Eurozone die notwendige verstärkte Solidarität in dieser Krise umsetzen, hat Kontinentaleuropa die Chance auf eine blendende Zukunft. Kontinentaleuropa muss eigene Wege gehen.

 

Folker Hellmeyer ist Chefanalyst/Chefvolkswirt der Bremer Landesbank

Von

Folker Hellmeyer

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

26.07.2012, 16:04 Uhr

"Der Rechtsrahmen innerhalb Kontinentaleuropas ist so zu ändern, dass die Urteile der Agenturen keine bindende rechtliche Wirkung mehr hat."

Hallo, geht es noch? Die Urteile der Agenturen haben auch jetzt keine rechtliche Wirkung, sie sind lediglich Empfehlungen.

matze

26.07.2012, 16:15 Uhr

das liest sich runter wie butter!!! mehr HGB, kein spekulativer zeitwert in die bücher um sich scheingewinne zu generieren usw.

Account gelöscht!

26.07.2012, 16:43 Uhr

Guter text seh ich ähnlich

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