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24.01.2012

09:59 Uhr

Euro-Krise

Merkels Machtfülle wird teuer

VonDaniel Goffart

Die Stärke der Bundeskanzlerin ist zugleich ihr Fluch: Merkels Machtfülle führt dazu, dass derzeit alle möglichen Wünsche in Europa bei ihr abgeladen werden. Am Ende wartet eine dicke Rechnung auf Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Plenarsaal des Bundestages in Berlin. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Plenarsaal des Bundestages in Berlin.

Wo im Vorfeld des EU-Gipfels Ende Januar die politischen Kraftfelder Europas zusammenlaufen, lässt sich leicht am Terminkalender der Bundeskanzlerin ablesen. Seit Tagen eilen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone und des erweiterten EU-27er-Kreises nach Berlin, um sich vorab mit der mächtigsten Frau des Kontinents zu verständigen. Dass daneben IWF-Chefin Christine Lagarde gleich zweimal im Kanzleramt vorspricht, vervollständigt das Bild ebenso wie die Tatsache, dass es Angela Merkel ist, die beim diesjährigen Treffen der Weltwirtschaftselite in Davos am Mittwoch die Eröffnungsrede hält.

Der Kanzlerin fällt ihre dominierende Rolle in Europa derzeit aus mehreren Gründen zu: Ihr Partner Nicolas Sarkozy kämpft gerade im Schlussspurt des französischen Wahlkampfs um sein Amt. Die Briten als alternativer Partner haben sich mit der fehlgeschlagenen Taktik ihres Premierministers David Cameron erst einmal selbst den Stuhl vor die europäische Tür gestellt. Großbritannien muss angesichts der schottischen Sezessionsbestrebungen sogar um die Einheit des Königreichs fürchten. Und die anderen europäischen Regierungschefs sind entweder noch zu neu im Amt oder durch die Schuldenkrise politisch gelähmt.

Merkels Stärke ist aber zugleich ein Fluch: Ihre Machtfülle führt dazu, dass derzeit alle möglichen Wünsche bei ihr abgeladen werden. Das neue deutsche Bekenntnis zur Finanzmarkttransaktionssteuer in der Euro-Zone beispielsweise erfolgte recht prompt auf französisches Drängen hin. Auch Mario Monti, der mutige Chef der italienischen Expertenregierung, drängt bei Merkel auf finanzielle Hilfe in Form eines höheren Beitrags zum Euro-Rettungsfonds ESM. Angesichts der Härten, die er den Italienern zumuten müsse, sei es nun an den Deutschen, sich großzügig zu zeigen, meint Monti.

Kommentare (39)

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O_Bergauer

24.01.2012, 10:17 Uhr

Genau, weswegen die Macht bei Deutschland liegt und nicht bei Merkel, die die Verhandlungen zugunsten des deutschen Volkes zu führen hat.

Aristoteles

24.01.2012, 10:37 Uhr

"Angesichts der prosperierenden deutschen Wachstumsinsel im rezessionsgeplagten Europa ist das kein Wunder" schreiben Sie.
Stehen wir wirklich aktuell so gut dar ? Wie oft musste das HANDELSBLATT in seiner aktuellen Berichterstattung zuletzt das Wort "Insolvenz" vermelden ? Wie oft wurde von massiven Personalkürzungen berichtet ? Selbst die excellente Analyse von SIEMENS heute nimmt sogar das Wort "Sanierung" in den Mund. Ich weiß nicht, ob Ihr Euch da mal alle nicht täuschen werdet mit der angeblich so rosigen Lage der deutschen Wirtschaft. Leider. Das dritte "A" wackelt m.E. bereits.

Account gelöscht!

24.01.2012, 10:43 Uhr

Seit wann werden Verhandlungen zugunsten des deutschen Volkes geführt? Jeder Hungerleider dieser Welt fordert!!! von Deutschland mehr Geld für was Projekte auch immer.Mit dem ESM wird das Durchgriffsrecht auf den Bundeshaushalt festgeschrieben u. keinen juckt das.Mein Rat: bescheißt den Staat wo Ihr könnt um so eher ist er Pleite u. die Rettungsaktionen haben ein Ende.

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