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27.01.2011

00:00 Uhr

Euro-Rettungsfonds

Noch kein Vertrauensbeweis

VonAndrea Cünnen

Der Euro-Rettungsfonds hat ein starkes Debüt gefeiert. Ein Wendepunkt in der Vertrauenskrise des Euro - wie von EFSF-Chef Klaus Regling propagiert - ist das aber noch nicht.

DüsseldorfMit seiner ersten Anleihe hat der Euro-Rettungsfonds in dieser Woche zweifellos ein starkes Debüt gegeben. Schließlich gab es für den fünf Milliarden Euro schweren Bond Kaufaufträge im Rekordvolumen von 44,5 Milliarden Euro. Von einem möglichen Zeichen für einen Wendepunkt in der Vertrauenskrise des Euros, das Rettungsfonds-Chef Klaus Regling aus der Emission herauslas, kann man aber noch nicht sprechen. Die Investoren haben nicht den Krisenstaaten im Euro-Raum ihr Vertrauen ausgesprochen, sondern nur den soliden Geldgebern. Schließlich ist die EFSF genannte Rettungsgesellschaft der Euro-Länder so konstruiert, dass sie nur so viel Geld verleihen kann, wie die Länder mit den besten Bonitätsnoten, darunter Deutschland und Frankreich, garantieren. Schon allein deshalb darf man die Symbolkraft des Anleihe-Erfolgs nicht überbewerten.

Dafür gibt es aber auch noch andere Gründe. So kam das Interesse an der Anleihe vor allem aus Asien. Japans Regierung hatte schon vor zwei Wochen zugesagt, 20 Prozent der Emission zu kaufen, und sie hielt laut EFSF Wort. Wer genau in Japan die Anleihen abnahm, wurde nicht aufgeschlüsselt. Große Käufer dürften aber die japanische Zentralbank und staatsnahe japanische Banken gewesen sein. Insgesamt gingen gut 37 Prozent der Anleihe nach Fernost, dabei wird ein Großteil auch in Depots chinesischer Investoren gewandert sein. Anleger in den USA kauften dagegen nur gut zwei Prozent der Anleihe. Hier zeigt sich deutlich, wer Interesse am Euro und einer alternativen Reservewährung zum US-Dollar hat und wer nicht.

Auch die Gebote über 44,5 Milliarden Euro, die bei den Konsortialbanken Citigroup, HSBC und Société Générale in nur 15 Minuten eingingen, sind nicht ganz so beeindruckend, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn natürlich füllten sich die Auftragsbücher nicht quasi von selbst. Informationen für die Investoren gab es schon Wochen vorher. Und die mussten sich damit beschäftigen, weil die EFSF mit Anleiheplatzierungen über mindestens 26,5 Milliarden Euro in diesem und im nächsten Jahr eine relevante Größe am Bondmarkt sein wird. Grobe Zusagen für Käufe sammelten die Banken zudem schon am Tag vor der offiziellen Emission im sogenannten "Schattenbuch". Und betonten dabei, dass angesichts des großen Interesses jeder Investor möglichst hohe Zeichnungswünsche abgeben sollte, um überhaupt zu einem kleinen Teil bei der Zuteilung berücksichtigt zu werden.

Dabei war das Werben um ein großes Interesse der Investoren wichtig und richtig. Wäre der Bond gefloppt, hätte das die Märkte erschüttert, weil dann nicht einmal die Finanzierung der Hilfen für überschuldete Länder stünde. Eine schlechte Platzierung wäre ein Indiz für das mögliche Scheitern der Währungsunion gewesen. Die erfolgreiche Platzierung der Anleihe dagegen ist zwar schön, aber eben noch kein umfassender Vertrauensbeweis.

Die Autorin ist Korrespondentin in Frankfurt. Sie erreichen sie unter: cünnen@handelsblatt.com

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