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20.05.2012

13:01 Uhr

Euro-Schuldenkrise

Sollte Griechenland geopfert werden?

VonDirk Heilmann

In Griechenland begann die Krise, am Südostrand Europas zeichnet sich nun ab, wie es weitergeht: Verlassen die Griechen die Euro-Gruppe, würde das die Disziplin stärken - und zugleich große Risiken bergen.

Die Flaggen der Europäischen Union und Griechenland vor historischer Kulisse. dpa

Die Flaggen der Europäischen Union und Griechenland vor historischer Kulisse.

In früheren Jahrhunderten nahmen Bergleute Kanarienvögel mit unter Tage, um sich vor giftigen Gasen zu schützen. Fiel ein Kanarienvogel von der Stange, so blieb den Minenarbeitern noch genug Zeit zur Flucht. Heute in der Schuldenkrise spielt Griechenland den Kanarienvogel für die Europäer. Das Land am Südostrand der Währungsunion meldete als erstes, dass sein Haushaltsdefizit aus dem Ruder laufe, und löste damit den steilen Anstieg der Zinsen für Staatsanleihen vieler Euro-Länder aus. Es musste als erstes die anderen Mitgliedsländer um Hilfe bitten und schließlich als erstes Euro-Land eine Umschuldung vornehmen.

Bald könnte ihm erneut die Rolle zufallen, eine weitere Verschärfung der Krise anzuzeigen: Vieles spricht dafür, dass Griechenland als erstes Land die Währungsunion wieder verlassen wird, womöglich noch in diesem Jahr. Eine stabile Regierung, die die mit den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarte Spar- und Reformpolitik fortsetzt, ist nicht in Sicht.

Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatts. Pablo Castagnola

Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatts.

Jede neue Regierung in Athen wird versuchen, günstigere Konditionen herauszuholen. Auf der anderen Seite werden Kerneuropäer und IWF auch zu gewissen Zugeständnissen bereit sein, denn sie wissen, dass die Schuldenlast der Griechen trotz der Umschuldung untragbar hoch ist. Doch sie wissen auch: Wenn sie den Griechen zu sehr nachgeben, werden auch andere Krisenländer Kredite ohne harte Auflagen verlangen. Womöglich müssen sie den Kanarienvogel Griechenland opfern, um eine enger integrierte, wettbewerbsfähige Euro-Zone zu erreichen.

Eins ist klar: Wenn die internationalen Helfer den Kredithahn zudrehen, ist Griechenland binnen Monaten zahlungsunfähig; die Regierung könnte die Gehälter ihrer Angestellten sowie Renten und Sozialleistungen nicht mehr zahlen. Die Aussicht auf den bevorstehenden Euro-Austritt würde einen Ansturm auf die Banken des Landes auslösen, die ja nicht mehr von der Europäischen Zentralbank finanziert würden. Das würde auch die Unternehmenslandschaft verwüsten und die Rezession verschärfen. Der Regierung bliebe keine Wahl, als den Euro aufzugeben und zur Drachme zurückzukehren.

Kommentare (18)

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15.05.2012, 22:43 Uhr

Ja sicher, aber was heisst denn hier opfern? Die Entscheidung wird von den Griechen allein getroffen. Die Frage sollte sein ob Merkel bereit ist den deutschen Steuerzahler zu opfern und dann zur Krönung auch noch zu verhöhnen.

Eurokritiker

15.05.2012, 22:51 Uhr

Griechenland könnte nach dem Ausscheiden aus der Eurozone wieder Wachstum erzielen. Das ist das Problem. Wenn andere Staaten wie Spanien, Portugal, Italien etc. das mitkriegen, wollen sie womöglich auch raus aus dem Euro... Sehr guter Artikel darüber http://www.politaia.org/politik/europa/bilderberger-mussen-ihren-euro-retten/

R.Rath

15.05.2012, 23:34 Uhr

In Ordnung, wenn die Griechen das Linksbündnis zur stärksten Partei machen, das die neue Regierung stellt und damit zeigen, dass sie die Eurozone verlassen wollen. Sie behalten ihre staatliche Souveränität, gehen insolvent und können mit der neuen Drachme, wenn auch bescheiden wieder von vorne anfangen.
Bleiben sie in der EU haben sie zukünftig einen ähnlichen Status wie Ungarn, Bulgarien und Rumänien, verlassen sie die EU wie Albanien oder Serbien. Ich kann daran nichts übermäßig Dramatisches erkennen.

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