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29.05.2012

21:43 Uhr

Eurokrise

Zurückhaltung, Monsieur Hollande!

VonThomas Hanke

Der neue französische Präsident Hollande gibt sich großspurig, dabei wäre Zurückhaltung angebracht - mit seiner Kritik an Merkel darf er es nicht übertreiben. Deutschland tut mehr für das Wachstum, als der Franzose meint.

Francois Hollande vor dem Präsidentenpalast in Kabul. AFP

Francois Hollande vor dem Präsidentenpalast in Kabul.

ParisEin neues Europa, eine Währungsunion, die auf Wachstum setzt statt auf eine Schrumpfkur mit Sparzwängen und "austerité", hat François Hollande im Wahlkampf versprochen. Französische Ökonomen haben schon während der Kampagne gefragt, von welchen Sparzwängen der Sozialist eigentlich rede: In Frankreich jedenfalls habe der Staat seinen Appetit noch nicht gezügelt.

Thomas Hanke ist Korrespondent und Kommentator in Paris. Pablo Castagnola

Thomas Hanke ist Korrespondent und Kommentator in Paris.

Trotzdem: Die wirtschaftliche Debatte darüber, wie ein stärkeres Wachstum in Europa die Konsolidierung der Haushalte unterstützen kann, ist aller Ehren wert. Hollandes Beiträge dazu sind aber noch sehr überschaubar. Er baut vor allem einen weitgehend künstlichen Gegensatz zur Bundesregierung auf: Die habe er erst von Wachstum überzeugen müssen. Die Kanzlerin sei nun isoliert in einem Europa, das begeistert der von Frankreich ausgehenden Vision folge. Jetzt gehe es darum, dass Merkel auch ihre letzte Barrikade räume und gemeinsame Staatsanleihen, Euro-Bonds, nicht länger verweigere. Dann, so suggeriert man in Paris, strömten die Investoren in Scharen nach Euro-Land und könnten die geplagten europäischen Volkswirtschaften endlich den Pfad des Wachstums beschreiten.

Zuspitzungen im Wahlkampf sind nachvollziehbar. Es ist auch verständlich, dass Hollande einen sozialistischen Wahlsieg bei den Parlamentswahlen im Juni ansteuert. Doch bringt es weder ihm persönlich noch gar der Euro-Zone etwas, wenn er den Eindruck erweckt, Berlin rücke aus politischer Verbohrtheit den Schlüssel zum Schlaraffenland nicht heraus.

Euro-Bonds können ein sinnvolles Instrument sein - wenn die Euro-Zone vorher einen klugen Kassenwart anstellt, der die Schatztruhe kontrolliert und jedem Missbrauch vorbeugt. Eines sind Gemeinschaftsanleihen aber nicht: ein Instrument, mit dem man in den nächsten Monaten mehr Wachstum in Europa erreichen könnte.

Kommentare (10)

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Steuerzahler

29.05.2012, 21:49 Uhr

Die überwiegende Mehrheit der deutschen Bürger möchte keine Transferunion! (warum sollten wir auch!)

Die Online-Petition beim Bundestag gegen den ESM könnten Sie
hier zeichnen: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=24314

Setzen Sie ein Zeichen gegen den ökonomischen Wahnsinn!

Profit

29.05.2012, 23:11 Uhr

Hollande ist unerträglich und arrogant. Man findet keine Worte über soviel Großkotzigkeit. Frankreich schäm Dich!

Eurotraum_geplatzt

29.05.2012, 23:40 Uhr

Das “über den Tisch ziehen“ hat im Mai 2010 durch Sarkozy gut geklappt. Warum nicht auch durch Hollande?
Hierzu ein Frankreichkenner:
http://www.youtube.com/watch?v=rGVKYpyCTpg
Wie immer hatten die Kritiker recht, die vorhergesagt haben, dass Frankreich gar nicht daran denke zu sparen. Sogar das Rentenalter soll von 62 auf 60 zurückgesetzt werden. Frankreich sollte dafür wie bei uns je Monat die Rente um 0,3 % kürzen. Bei 5 Jahren Abweichung wären dies 18% Prozent, bei 7 Jahren ca. 25%. - Unsere Gewerkschaften stört dies nicht, sie schweigen hierzu.
Hollande wird die Katze aus dem Sack lassen, sobald er seine Euro-Bonds oder den ESM durchgebracht hat. Dann kann er seine Wohltaten ans französische Volk verteilen, und auch französische Banken retten. Ist ja viel leichter wenn die Deutschen mitzahlen. Zu dumm, jetzt sind die Spanier mit ihren Banken mit der Rettung noch vor ihm dran, und auch an die griechischen Banken mussten schnellstens Notkredite, oder besser gesagt Notgeschenke von ca. 20 Milliarden geschickt werden.
Die Erpressungen und Angriffe auf Deutschland durch andere Staaten werden erst aufhören wenn wir pleite sind. Niemals Euro-Bonds und auch keinen ESM. Keine Transferunion! Wir sollten mal bei anderen Staaten (z. B. Österreich und Niederlande) nachfragen, ob wir nicht gemeinsam aus dem Euro ausscheiden können. Solange der Euro besteht, ist der Friede in Europa in großer Gefahr.
Wäre er ein Erfolgsmodell, dann würde auch Schweden der Euro-Union beitreten wollen. Wir würden uns allerdings lächerlich machen, den Schweden ernsthaft diese Frage zu stellen, obwohl sie eigentlich beitreten müssten. Wahrscheinlich sind sie überglücklich, dass sie diesen Schwachsinn durchschaut, und die eigene Währung behalten haben. Und niemand wird ihnen vorwerfen, dass sie deshalb schlechtere Europäer als wir sind. Glückliche Schweden!
Das Euro-Experiment ist gescheitert. Zu überlegen ist, wie man es mit den wenigsten Schmerzen beenden kann.

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