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15.04.2012

15:09 Uhr

Europa

Der Drehtür-Effekt der Schuldenkrise

VonTorsten Riecke

Die Risikoprämien für Staatsanleihen aus Italien und Griechenland steigen wieder. In Spanien wird sich entscheiden, ob die Rezepte der Rettungseuropäer wirken. Die Ergebnisse werden wir aber erst in vielen Jahren sehen.

Der Autor ist International Correspondent.

Der Autor ist International Correspondent.

Wir waren doch schon halb raus aus der Krise. Hatte nicht EZB-Chef Mario Draghi kürzlich erklärt, das Schlimmste hätten wir hinter uns? Und flüstert nicht Angela Merkel uns ein, die Märkte hätten sich beruhigt? Und nun das. Die Risikoprämien für Staatsanleihen aus Italien und Griechenland steigen wieder. Im Fall der Iberer sogar über die Schmerzgrenze von sechs Prozent für eine Laufzeit von zehn Jahren. Das hält auf Dauer kein Staat aus.

Und prompt meldet sich wieder, na wer wohl? – die Europäische Zentralbank zu Wort. Diesmal ist es EZB-Direktor Benoît Cœuré, der darauf hinweist, dass die EZB ihr stillgelegtes Aufkaufprogramm für notleidende Staatsanleihen aus den europäischen Schuldenländern wieder aufnehmen könne. Déjà-vu. Die Schuldenkrise lässt uns wie in einer Drehtür schwindelig werden.

Nun könnte man mit der Nonchalance eines George Soros sagen: „I told you so.“ Der vom Spekulanten zum weisen Wohltäter geläuterte Investor warnt seit Wochen, das Schlimmste stehe den Europäern erst noch bevor. Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone sei heute wahrscheinlicher denn je. Und das trotz zweier Rettungspakete für das zahlungsunfähige Griechenland. Trotz einer Umschuldung von Hellas, die den privaten Gläubigern einen effektiven Verlust von mehr als 70 Prozent ihrer Forderungen zugefügt hat. Trotz der Aufstockung des europäischen Rettungsschirms auf 700 Milliarden Euro. Und vor allem: trotz einer gigantischen Liquiditätshilfe der EZB für Europas Banken von rund einer Billion Euro.

Alle diese Maßnahmen, da sind sich die Experten einig, haben allenfalls Zeit gekauft. Doch die verrinnt immer schneller. Dabei folgt die Rettungslogik immer noch dem gleichen Muster: Nach einem Krisengipfel werden die Märkte mit zusätzlichen Finanzhilfen, Garantien und Versprechungen für eine Zeit ruhig gestellt. Sobald die Droge Geld ihre Wirkung verliert, kehrt der Zweifel zurück, die Märkte werden wieder unruhig und die Rettungseuropäer müssen ihren Einsatz erhöhen. Das ganze Spiel beginnt von vorn. Nur dass die Dosen höher sind und die Zeit immer schneller verrinnt.

Kommentare (12)

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HelmutJosefweber

16.04.2012, 00:04 Uhr

Ist ja irre---
Ihr müsst doch endlich begreifen, dass wir in einer Exponentialkurve der Verschuldung sind;
daraus gibt es kein Entkommen.
Alle Menschen die Euch sagen, dass es eine Möglichkeit gibt, lügen.
Schäuble sucht immer noch danach wem er die Millionen gegeben hat, nachdem er vor dem Untersuchungsausschuss gestanden hat.
Wir haben einen Finanzminister der unter Amnesie leidet, sonst wäre er verurteilt worden.
Und wer Millionenzahlungen vergisst, ist eben irre.
Vielleicht werdet Ihr mal Alle wach.
Hallo----------

Viele Grüße
H. J. Weber

Zahlmeister

16.04.2012, 07:54 Uhr

Es ist eine Illusion zu glauben, dass dieses Spiel noch ein Jahrzehnt funktioniert.

Europa

18.04.2012, 23:02 Uhr

Ein gutes Beispiel wo das Sparen funktioniert u. die Effekte auf das Wachstum diese nicht konterkarieren ist Irland. Es gibt eine aktuelle Studie des Irish Fiscal Advisory Comittee, dass die Lage und die moeglichen Strategien sehr gut darstellt. Dort wird deutlich, dass Irland in den letzten 6 Quartalen alle gesetzten Ziele, wie Budgetdefizit genau getroffen hat. Zudem hat Irland strukturelle Hindernisse bzgl. Support in der Arbeitslosigkeit beseitigt u. ist dabe ein passendes Insolvenzrecht fuer Privatpersonen zu etablieren. Im uebrigen hat es Irland schon einmal geschaft innerhalb von 8 Jahren seine Verschuldungsquote von rd. 120% des BIP auf 20% zu senken.

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