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22.04.2012

09:13 Uhr

Europa

Stoppt die Jugendarbeitslosigkeit!

VonUrsula Engelen-Kefer

Jugendarbeitslosigkeit wird in der EU zu einem riesigen Problem. Die Lösung könnte betriebliche Berufsbildung sein, kommentiert die einstige s tellvertretende Vorsitzende des DGBs Ursula Engelen-Kefer.

Die Autorin Ursula Engelen-Kefer war von 1990 bis 2006 stellvertretende Vorsitzende des DGB. Reuters

Die Autorin Ursula Engelen-Kefer war von 1990 bis 2006 stellvertretende Vorsitzende des DGB.

Während die Mitgliedsländer in der Europäischen Union um den EU-Fiskalpakt ringen, entwickelt sich die Jugendarbeitslosigkeit zu einer gefährlichen Zeitbombe. In Griechenland, Portugal und Spanien sind bereits etwa die Hälfte aller jungen Menschen (15 bis 24 Jahre) ohne Arbeit oder Ausbildung; in der EU insgesamt ist mehr als ein Fünftel der jungen Menschen arbeitslos. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnt: Auch in Europa sind junge Menschen – unabhängig von ihren Qualifikationen – die Opfer der Finanz- und Wirtschaftskrisen. Sie werden nicht mehr bereit sein, in eine lange und kostspielige Ausbildung zu investieren.

Dies ist sozial- und wirtschaftspolitisch verheerend. Alarmiert durch die dramatisch steigende Jugendarbeitslosigkeit, wird die EU-Kommission am 19. April ihre längst überfälligen Vorschläge zu Arbeitsmarktreformen vorlegen. Damit soll der Weg für einen „echten europäischen Arbeitsmarkt“ geebnet werden sowie ein wirksamer Einsatz der arbeitsmarktpolitischen Instrumente und die Verbesserung der Berufsbildung erfolgen.

Die Bundesrepublik hat sich bisher erfolgreich von dem Negativtrend in der EU bei der Jugendarbeitslosigkeit abkoppeln können: Mit 5,7 Prozent ist sie niedriger als vor der weltweiten Finanzkrise und liegt vor Österreich sowie den Niederlanden am untersten Ende in der EU. Allerdings ist auch in Deutschland nicht alles Gold, was glänzt. Zunächst gibt es infolge der demografischen Entwicklung erheblich weniger junge Menschen, die nach Ausbildung und Arbeit suchen, als in anderen Ländern. Die Kehrseite sind allerdings die Erhöhung der Altersstruktur auch auf dem Arbeitsmarkt und der sich in einzelnen Berufsbereichen abzeichnende Mangel an Fachkräften.

Darüber hinaus sind etwa 200000 Jugendliche immer noch in den sogenannten Warteschleifen, den vielfältigen berufsvorbereitenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, oder ganz aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden. 1,5 Millionen junge Menschen (20 bis 30 Jahre) sind ohne abgeschlossene Berufsbildung prekär beschäftigt mit niedrigem Einkommen sowie einem hohen Risiko der Arbeitslosigkeit. Der Ausbildungspakt zwischen Bundesregierung und Wirtschaft, der bis 2014 fortgesetzt werden soll, muss sich stärker auf die nachhaltige Ausbildung und Eingliederung dieser benachteiligten Jugendlichen – insbesondere mit Migrationshintergrund – ausrichten.

Kommentare (12)

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konkret

22.04.2012, 10:16 Uhr

Nun um eine betriebliche Berufsausbildung ermöglichen zu können, sollte es Betriebe geben. Aber vielleicht kann man ja die Jugendlichen zu einem "freiwilligen" gratis Praktikum in China verpflichten. Oder wie soll das konkret gehen in den betroffenen Ländern?

nanoflo

22.04.2012, 10:45 Uhr

Ein anderer Aspekt ist folgender;
Auch eine gute Ausbildung(Meister....) ermöglicht heute nicht mehr die Finanzierung und Ausbildung der eigenen Kinder da die Löhne zu gering sind!
Daher sollten manche Branchen rigeros streiken und 70% mehr fordern!!!!!!!
Von 14€/Std kann keiner eine Familie ernähren!!!
Ganz zu schweigen von weniger als 7€/Std. Das grenzt an Sklaverei.Aber die Leute sind ja selbst Schuld.
Für so einen Lohn zu arbeiten ist dumm!

MikeM

22.04.2012, 11:36 Uhr

Die Autorin schreibt am Problem vorbei. Ich habe lange Zeit in Spanien gelebt. Das Problem ist der strenge Kündigungsschutz. Ein AN, der 12 Monate beschäftigt ist, ist praktisch unkündbar. Daher sehen die Firmen davon ab, neue Leute einzustellen. Wenn überhaupt werden befristete Verträge angeboten (11 Monate) und immer vieder verlängert. Dieses Problem wurde verursacht durch die Gesetzgebung der sozialistischen Regierung unter Mithilfe der dortigen Gewerkschaften!

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