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15.01.2007

05:00 Uhr

Acht ziehen in das Finale um den Ehrentitel und die Fördermillionen für die Forschung ein. Im Oktober fällt die Entscheidung über die zweite Runde. In der ersten hatten es bereits die beiden Münchener Unis und die TU Karlsruhe geschafft. Am Ende werden sich fünf oder auch mehr deutsche Hochschulen „Elite-Uni“ nennen dürfen, eine Obergrenze ist nicht festgelegt.

Eine deutsche Ivy-League, wie sich der Club der renommierten amerikanischen privaten Spitzenunis nennt, ist das aber noch lange nicht. Auch die von manchen befürchtete Kluft zwischen der ersten Riege und den anderen Hochschulen wird sich nicht schlagartig öffnen.

Das liegt daran, dass die Exzellenzinitiative zwar 1,9 Mrd. Euro unter die Forscher bringt, dieser Betrag im internationalen Vergleich nicht wirklich viel ist. Auf welch niedrigem finanziellen Niveau die deutschen Universitäten agieren, wird beim Blick in die Schweiz deutlich: Die renommierte ETH Zürich verfügt über ein jährliches Budget von fast 866 Mill. Euro bei knapp 13 000 Studenten. Die TU München hingegen hat gut 20 000 Studenten und muss mit 340 Mill. auskommen. Da helfen die 30 Zusatz-Millionen aus der Exzellenzinitiative nur sehr bedingt weiter.

Sehr stark ist das Gefälle im Vergleich zu den berühmten US-Universitäten: Harvard hat ein Jahresbudget von zwei Mrd. Euro, Stanford fast so viel, das MIT bringt es auf 1,4 Mrd. Und auch die kalifornischen staatlichen Unis Berkeley und San Diego haben mehr als eine Milliarde im Topf.

Hinzu kommt die nicht unbegründete Sorge, dass die Länder den Elite-Unis zwar ihren 25-Prozent-Anteil überweisen, dafür aber womöglich bei der Grundfinanzierung künftig noch knauseriger sein werden als schon in der Vergangenheit. Virulent ist dies in Berlin: Natürlich wird die Hauptstadt ihren Beitrag mit Freuden zahlen, wenn eine ihrer Unis den Elite-Kranz erhält. Angemessen wäre dies dem herausragenden Wissenschaftsstandort Berlin allemal. Generell aber ist die Finanzierung der Berliner Hochschulen, die viele auswärtige Studenten ausbilden, durchaus ein Problem. Die rot-rote Koalition hat auch bereits klar gemacht, dass sie die Hochschulverträge ab 2010 nur auf dem heutigen Niveau ausstatten wird. Berlin ist ein Extremfall, aber auch andere Länder, etwa Nordrhein-Westfalen, halten ihre Unis eher knapp.

Ein massiver Ausgleich durch Unternehmen – anderswo schwergewichtige Unterstützer der Elite-Schmieden – ist ebenfalls nicht in Sicht. Zwar meldet etwa die TU München mehr Erfolg bei Sponsoren, seit sie Elite-Status hat. Noch ist jedoch unklar, ob daraus eine dritte Säule der Finanzierung werden kann. Das alles bedeutet, dass die Kluft zu den Nicht-Elite-Universitäten bis auf weiteres nicht in Riesensprüngen wachsen wird. Die Sorge der Kritiker, es könne im Schatten der Exzellenzinitiative gar ein „Hochschul-Prekariat“ entstehen, ist also übertrieben. Es sei denn, man bezeichnet die seit Jahren übliche Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen bereits als Prekariat – das gäbe es dann aber bereits.

Prinzipiell ist jedoch eine Aufteilung der Hochschulen das richtige Ziel der Exzellenzinitiative. Die besten sollen in die Lage versetzt werden, irgendwann einmal in der Liga der weltweiten Top 25 mitzuspielen. Derzeit dringen sie nicht einmal unter die Top 50 vor. Die logische Folge ist, dass sich darunter eine Gruppe von Hochschulen etabliert, die nur in einzelnen Fächern brillieren. Diese profitieren von der Förderung der Forschungscluster und der Graduiertenschulen in der Exzellenzinitiative, auch wenn sie keinen Elite-Rang erwerben.

Daneben wird es Hochschulen geben müssen, die sich als Lehr-Universität profilieren. Angesichts von fast zwei Millionen Studenten, aus denen womöglich noch 2,7 Millionen werden, ist das der einzige sinnvolle Weg. Noch Mitte der siebziger Jahre studierten lediglich 800 000 Menschen in Deutschland. Die Idee von der Homogenität der 80 deutschen Voll-Universitäten ist ohnehin schon lange eine Schimäre.

Die Exzellenzinitiative verfährt zu Recht nach dem Motto, dass der Teufel immer auf den größten Haufen macht. Es liegt in der Hand der Länder, dafür zu sorgen, dass ihre Haufen – fachlich und finanziell gesehen– groß genug sind.

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