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24.05.2017

19:28 Uhr

Fiat Chrysler im Visier

Nichts als Ärger mit dem Diesel

VonKatharina Kort

Nach Volkswagen hat jetzt auch Konkurrent Fiat Chrysler in Amerika ein massives Diesel-Problem. Die entscheidende Frage dabei: Lohnt sich der Ärger für eine Technologie, die in den USA eh keiner wollte? Ein Kommentar.

Der Chef des Autobauers gilt als begnadeter Verhandler. Reuters

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne

Der Chef des Autobauers gilt als begnadeter Verhandler.

New YorkVolkswagen und Fiat Chrysler – beide haben in den USA ein Diesel-Problem. Volkswagen hat Dieselgate schon zweistellige Milliardenbeträge gekostet. Dem Konkurrenten Fiat Chrysler steht der Rechtsstreit noch bevor. Das US-Justizministerium hat diese Woche Klage gegen den italienisch-amerikanischen Hersteller eingereicht.

Die Führung von Fiat-Chrysler stellt sich auf den Standpunkt, dass die Sachlage bei ihnen eine andere ist als bei Volkswagen. Sie hätten nicht vorsätzlich gehandelt. Ihre Software, die allerdings auch die Abgaskontrolle beschränkt, sobald der Wagen nicht unter optimalen Bedingungen auf ebener Fläche – also wie im Labor – fährt, sei lediglich nicht kommuniziert worden.

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Nun mag man sich fragen, warum sie nicht kommuniziert wurde. Und warum es denn Probleme bei der Zertifizierung der neuen Wagen gibt, wenn es nur um die Kommunikation ging. Dem geht jetzt die amerikanische Staatsanwaltschaft nach. Und die ist nicht für Nachsicht bekannt.

Ein klarer Unterschied zwischen Volkswagen und Fiat Chrysler liegt auf jeden Fall in der Zahl der betroffenen Autos. Bei Fiat Chrysler geht es um 104.000 Wagen. Bei VW waren es fast sechsmal so viele. Damit dürften auch die möglichen Vergleichszahlungen bei den Italienern geringer ausfallen. Wenn es dazu kommt.

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne – der neben seinem MBA und Philosophiestudium auch einen Jura-Abschluss vorweisen kann – ist als begnadeter Verhandler bekannt. Aber mit den US-Behörden ist nicht zu scherzen.

Vielleicht jedoch sollte sich nach Volkswagen auch Fiat Chrysler grundsätzlich fragen, ob sich der Aufwand in den USA lohnt. Die Europäer haben die Dieselautos gegen den Geschmack der amerikanischen Fahrer auf den Markt gedrückt – auch mit dem Versprechen sauberer Technologien. Nun schwankt diese Ansage.

Lohnt sich der Ärger für 100.000 Autos ? Ganz offensichtlich pusten die Wagen ja mehr in die Luft, als sie sollten – egal, ob und wie und wann das kommuniziert wurde. Vielleicht wäre es besser, die Diesel-Versionen auslaufen zu lassen. Auch für die Umwelt.

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