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20.01.2009

16:20 Uhr

Fiat

Fiats Glücksgriff

VonKatharina Kort

Fiat-Chef Sergio Marchionne reagiert auf die Autokrise wie ein Rennauto, das auf ein Hindernis zusteuert - mit sofortigem Richtungswechsel. Mit der Übernahme von 35 Prozent am taumelnden amerikanischen Autogiganten Chrysler wirft er seine bisherige Strategie über Bord. Für Fiat könnte das ein Glücksgriff sein.

Pablo Castagnola

Schnell ist er. Fiat-Chef Sergio Marchionne reagiert als einer der ersten großen Autobosse konkret auf die Krise - und das nicht etwa, indem er Staatshilfen annimmt. Mit 35 Prozent steigt er bei dem kriselnden US-Autobauer Chrysler ein und wirft damit seine bisherige Strategie über den Haufen, nur auf kleine, Produkt-bezogene Allianzen ohne Aktienbeteiligung zu setzen. Damit nimmt er das Motto "Keine Scheuklappen" ernst und zeigt sich flexibler als viele andere Autolenker. Und das in einer Zeit, in der Fiat noch Gewinne schreibt.

Ihm scheint sogar das Kunststück geglückt zu sein, für seine Beteiligung an Chrysler keinen einzigen Euro auf den Tisch legen zu müssen. In der Presseerklärung schließen die Unternehmen auch für die Zukunft aus, dass die Italiener Geld zuschießen müssen. Stattdessen bietet Marchionne den Amerikanern Zugang zu seinen Plattformen und Technologien für kleine, Benzinsparende Autos, bei denen Chrysler expandieren will. Jetzt zahlt es sich aus, über Jahre auf die lange belächelten Kleinwagen gesetzt zu haben.

Kunststücke mit US-Autohäusern werden langsam zur Spezialität des Italo-Kanadiers Marchionne. Bereits 2005 gelang ihm das Wunder, dass ihm General Motors GM) - damals noch in robusterer Verfassung - mehr als eine Milliarde Euro dafür zahlte, die Autosparte von Fiat nicht übernehmen zu müssen. Diese Option war noch aus der Allianz zwischen Fiat und GM aus dem Jahr 2000 übrig und damals hatten die Amerikaner nicht damit gerechnet, dass man die Autosparte wieder in die schwarzen Zahlen bringen kann. Marchionne bewies später das Gegenteil. Aber da hatten sich die Amerikaner schon teuer rausgekauft.

Nun geht Fiat eine neue Allianz ein und beteiligt sich am Pleitekandidaten Chrysler, um so auch Zugang zum US-Markt für die eigenen Flitzer zu erhalten und um vielleicht in der Zukunft - sollten die saftigen Staatshilfen Obamas greifen - bei einem möglichen Aufschwung dabei zu sein. Dann wäre Marchionne der Star schlechthin. Möge er Fiat lange erhalten bleiben.

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