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15.05.2012

11:38 Uhr

Finanzbranche

Gefährlicher als Kasinos

VonFrank Wiebe

Die Bankenaufsicht muss die Zügel kurz halten: Nur so fürchten die Bankenchefs eine Prüfung und die Vorsicht hält an. Um Skandale wie bei JP Morgan zu verhindern, gibt es keine Patentrezepte - aber mögliche Schritte.

Anders als im Kasino geht es in der Finanzbranche auch abseits der Tische hoch her. ap

Anders als im Kasino geht es in der Finanzbranche auch abseits der Tische hoch her.

Nach den Milliardenverlusten von JP Morgan im Handel mit Derivaten wird die Forderung wieder populär: Schließt das Kasino! Legt den Glücksspielern, die die Stabilität unserer Wirtschaft aufs Spiel setzen, endlich das Handwerk! Das Problem ist nur: Die Finanzmärkte sind kein Kasino. Im Kasino gibt es feste Öffnungszeiten und Spielregeln, nichts findet außerhalb der vorgesehenen Tische statt, und die Croupiers haben meist den Überblick. Wer im großen Stil verliert, ruiniert nur sich selbst und nicht gleich noch seine Mitspieler dazu. Finanzmärkte sind also viel gefährlicher als Kasinos. Deswegen bleibt der Finanzaufsicht keine andere Wahl, als die Zügel extrem kurz zu halten.

Frank Wiebe ist Kolumnist des Handelsblatts. Frank Beer für Handelsblatt

Frank Wiebe ist Kolumnist des Handelsblatts.

Hilfreich wäre auch, die Risikovorstände der Banken ähnlich wie die verantwortlichen Aktuare der Versicherer einzustufen: Wenn diese Probleme sehen, die nicht sofort abgestellt werden, haben sie die Pflicht, umgehend von sich aus die Aufsicht zu benachrichtigen. Das gibt ihnen eine doppelte Verantwortung - dem Unternehmen und der Aufsicht gegenüber - und eine stärkere Position gegenüber den Unternehmenschefs.

Ein radikalerer Schritt zur Verhinderung von Risiken wäre es, gleich alle Derivategeschäfte zu verbieten. Wer ein Wertpapier kauft, müsste es dann nehmen, wie es ist, und könnte sich nicht mehr einreden, er hätte die Risiken abgesichert. Das würde die Gefahr vermindern, dass Risiken im großen Stil für eine gewisse Zeit scheinbar in den Tiefen des Finanzmarktes verschwinden und dann im falschen Augenblick plötzlich wieder auftauchen wie ein havariertes Atom-U-Boot.

Kommentare (3)

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quadrifoglio

15.05.2012, 12:10 Uhr

Der Artikel ist überflüssig. Sein Resümee ist beschämend.
Die Antwort auf dieses krankhafte System soll also sein, dass es mangels Heilmethoden eben so bleiben muß wie es ist? Von ein paar Pflästerchen und Hinweisschildchen mal abgesehen?

Danke. Ist das Handelsblatt-Niveau?

Die Diagnose müßte vielmehr lauten: Das System hat die Welt kurz vor den Abgrund getrieben.
Warum traut sich absolut niemand zu sagen dass es so ist? Aus Angst vor der logischen Konsequenz?

Die Wahrscheinlichkeit dass der nächste Knall die Welt über den Abgrund hinaus befördern wird ist nicht niedrig.

Mir ist unklar, warum Finanzhäuser wetten dürfen, mit Hebeln die den eigenen Wert um ein vielfaches erhöhen, und das Ganze in der Gwissheit, dass im ungünstigen Fall das Volk zahlt.

Gibt es dafür irgendeinen natürlichen Grund der mir verborgen ist?

Im günstigen Fall gehen die Banker natürlich als superreiche Stars durch die Welt.

Das Argument der fehlenden globalen Einigkeit in dieser Sache für die Untätigkeit der Volksvertreter ist gefährlich ignorant.

Wer wenn nicht der freie Journalismus soll die Volksvertreter auf ihre Pflichten hinweisen?

Auch das ist eine Verantwortung!

Account gelöscht!

15.05.2012, 12:13 Uhr

Selten habe ich soeinen unqualifizierten Kommentar gelesen. Und das in einer Wirtschaftszeitung:

Ist Herrn Wiebe klar, dass seine Vorschläge Bankgeschäfte fast zum Erliegen bringen können? Die implizierten Kosten wird "Otto Normalverbraucher" tragen. Vorsorge für Alter wird teurer und erfprdert mehr Geld des Anlegers, da die Renditen, die jetzt schon sehr niedrig sind, noch weiter unter die Inflationsrate fallen werden. Jeder von uns ist auf Banken angewiesen, aber die Vorschläge würden, weiter gedacht, doch in der Verstaatlichung der Geldinstitute münden. Unddann "Gute Nacht Geld". Die Politiker würden mit dem Geld der Anlager dann genauso verantwortungslos umgehen, wie heute mit dem Steuergeldern. Geschäfte mit Geld waren schon immer Prozesse, die nicht zu kontrollieren waren und sein werden. Und dennoch gibt es dazu keinen Alternative.

Eurotiker

16.05.2012, 09:06 Uhr

Die Pleite der Lehmann-Bank war der richtige Weg. Alle Zockerbuden Pleite gehen zu lassen wäre der richtige Weg. Banken, welche sich vorrangig um die Wirtschaft kümmern, werden mit Steuergeldern gerettet und dafür ganz oder teilweise verstaatlicht. Neue Regularien für die Finanzwirtschaft müssen her, bzw. die alten wieder eingeführt werden. Arbeit muß sich wieder lohnen, nicht zocken oder sein geerbtes Vermögen ins unermessliche treiben. Schulden und Vermögen halten sich in einer Bilanz immer die Waage. Also, wo sind die legal oder illegal ergaunerten Vermögen in Milliarden oder gar Billionen Höhe?

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