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11.03.2012

17:30 Uhr

Finanzkrise

Das System sind wir

VonNikolaus von Bomhard

Verantwortlichen Kapitalismus kann es nur geben, wenn sich jeder fragt: Was kann ich beitragen? Der Vorstandschefs des weltgrößten Rückversicherers gibt Antworten.

Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Münchener Re. dpa

Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Münchener Re.

MünchenDie Finanzkrise beschert uns zu Recht eine Debatte über den Kapitalismus, die sich in Deutschland an seiner gemäßigten Variante, der Sozialen Marktwirtschaft, festmacht. Dabei muss man sich stets klarmachen, dass die Soziale Marktwirtschaft als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nur einen Rahmen vorgeben will, innerhalb dessen die einzelnen Akteure wirken. Denn es geht ja darum, den kreativen Kräften der Menschen Raum zu geben und zu belassen, um ihre Wünsche bestmöglich zu befriedigen.

Die Fehlentwicklungen, die die Finanzkrise offenbart hat, betreffen dabei gleichermaßen den Rahmen wie auch die Art und Weise, mit der innerhalb dieses Rahmens gehandelt wird. Oft wird übersehen, dass eben auch der Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft menschengemacht ist. Wenn, wie im Folgenden, verantwortliches Handeln gefordert wird, so gilt das also nicht nur für die Akteure im Finanzmarkt.

Die Festlegung und konkrete Ausgestaltung des Rahmens der Sozialen Marktwirtschaft erfolgen im Diskurs der gesellschaftlichen Kräfte, an dessen Ende der gefundene Konsens von der Legislative in die starre Form des Gesetzes gegossen wird. Und schon bei diesem für den Bürger gerade bei sperrigen Fragen der Finanzmarktverfassung oft wenig transparenten Prozess ist über die Zeit einiges schiefgelaufen. Einem blinden Vertrauen auf die segensreiche Kraft der Märkte folgend wurde die Regulierung entweder immer wieder zurückgenommen oder, auch wenn es angesichts der Produkt- und Marktentwicklung evident notwendig war, ganz unterlassen. Dabei haben Argumente die Oberhand gewonnen, denen man folgen konnte, aber eben nicht musste: der Druck des globalen Wettbewerbs bezüglich der Renditevorgaben oder des Standorts, die Notwendigkeit, das globale Wachstum zu beschleunigen, oder aber rein fiskalische Interessen. Ein Lobbying, das allein die Eigeninteressen zum Maß der Argumente macht, oder eine Politik, die die Vernunft auf dem Altar des globalen Wettbewerbs opfert, sind nur zwei Beispiele für eine viel zu enge Sicht der eigenen Verantwortung. Hinter diesem Vorgehen stehen immer Einzelne, die auch anders hätten entscheiden und handeln können, aber dies – übrigens oft mit Hinweis auf das Vorgehen anderer – als unmöglich bezeichneten. Die für unsere Gesellschaftsordnung so bedeutende Freiheit zur Entscheidung wurde nicht genutzt. Eine zusätzliche Herausforderung ist, dass der Prozess der unvernünftigen Deregulierung schleichend und unzusammenhängend verlief. Es war gar nicht so leicht, das unselige Zusammenwirken einzelner Entscheidungen zu erkennen. Aber: Es war auch nicht unmöglich.

Kommentare (9)

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Tingulv

10.03.2012, 23:39 Uhr

Salbungsvolle Worte die gut klingen und es bleibt irgendwie der Eindruck zurück, dass der gute Herr Bomhard eine Fehlbesetzung ist, denn er hat offensichtlich von der Wirtschaft keine Ahnung. Die Krise an den Finanzmärkten mit dem Verfall der Sitten zu erklären, und vom Anleger zu verlangen, dass er auf Rendite verzichten solle, ist absurd. Denn ein Anleger kann gar nicht wissen was eine angemessene Rendite wäre.
Auf der anderen Seite ist es freilich erstaunlich, dass die Akteure, die die Welt mit reichlicher Liquidität versorgten und damit die Fehllenkung der Ressourcen zu verantworten haben, bisher von Ratschlägen verschont geblieben sind. Denn schon vor gut siebzig Jahren hat der Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek eine Theorie formuliert, die die heutige Weltwirtschaftskrise schlüssig erklärt. Seine Konjunkturtheorie betont die monetären Faktoren, also die Rolle des Geldes und der Kredite, die die Investitionen finanzieren. Viel notwendiger wäre es daher die Anreize zum Fehlverhalten zu beenden, also die Politik des billigen Geldes, die zu hohen Risiken einlädt, wie auch die staatlichen Nothilfen zu beenden.

Etham

11.03.2012, 10:32 Uhr

Ich bin mir nach dem Artikel nicht sicher, ob Herr von Bomhard verstanden hat, warum es zur Wirtschafts- und Finanzkrise in der „sozialen Marktwirtschaft“ gekommen ist. Wenn Herr von Bomhard der Ansicht ist, dass es nur am einzelnen liegt, „jeder Einzelne an seinem Platz, die dieses System schaffen und erst mit Leben erfüllen“, dann erscheint mir diese Sichtweise doch etwas pastoral zu sein. Auch heute noch treffe ich nicht wenige Menschen im Osten von Deutschlands, die der Ansicht sind, dass nicht der Sozialismus als System versagt hat, sondern es einzelne waren, die sich nicht an die „guten Sitten“ hielten. Und deshalb sei der Sozialismus untergegangen. Mit Verlaub erscheint mir diese Wahrnehmung ebenfalls etwas naiv. Wenn Marktwirtschaft bedeuten soll, dass Transparenz auf den Märkten besteht, dann gibt es noch eine Menge zu tun. Ein wesentlicher Mangel der „sozialen Marktwirtschaft“ scheint mir die fehlende Transparenz und die fehlende Partizipation des einzelnen zu sein, um auf dem Markt im Sinne der „guten Sitten“ handeln zu können.

reno

11.03.2012, 18:06 Uhr

Das System muss weg.

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