Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2015

11:11 Uhr

Flughafen Kassel-Calden heißt jetzt Kassel

Der neue Name bringt keinen Passagier mehr

VonTobias Döring

Deutschlands umstrittenster Regionalflughafen hat einen neuen Namen: Kassel-Calden heißt jetzt nur noch Kassel. Der Airport will sich ein neues Image aufbauen – und wird scheitern. Ein Kommentar.

Szene aus den Eröffnungstagen von Kassel-Calden 2013: Aus dem Flughafen wird jetzt „Kassel Airport“. dpa

Szene aus den Eröffnungstagen von Kassel-Calden 2013: Aus dem Flughafen wird jetzt „Kassel Airport“.

Drei Wörter braucht es, um das Image des Flughafens Kassel-Calden treffend zu beschreiben: Fehlentscheidung, Millionengrab, Pleitekandidat. Den Regional-Airport in Nordhessen hatten schon bei der Eröffnung vor knapp zwei Jahren alle abgeschrieben. Sie sollten Recht behalten. Doch das soll sich jetzt ändern.

Der Flughafen Kassel-Calden heißt ab sofort Kassel Airport. Die Namensänderung sei Kern eines geänderten Markenauftritts, teilte die Betreibergesellschaft mit. Eine Analyse habe gezeigt, dass die Konzentration auf einen solchen Namen unverzichtbar sei, um den Flughafen im internationalen Geschäft zu positionieren, hieß es.

Tobias Döring ist Redakteur am Newsdesk bei Handelsblatt Online Frank Beer für Handelsblatt

Tobias Döring ist Redakteur am Newsdesk bei Handelsblatt Online

Wie jetzt? Der Namenzusatz der beteiligten Gemeinde Calden wird gestrichen, aus dem „Flughafen“ wird der „Airport“ und schon ist „Kassel Airport“ international vermarktbar? Dass das zu kurz gedacht ist, braucht man an dieser Stelle eigentlich gar nicht erst zu erwähnen. Das weiß sicher auch die Flughafen-Geschäftsführung um den ehemaligen Fraport-Manager Ralf Schustereder.

Die Umbenennung kann nur ein erster Schritt eines neuen Marketings sein. Denn ein neuer Name macht noch längst kein neues Image. Und selbst wenn: Ein neues Image würde dem Flughafen keinen Passagier mehr bringen. Denn der Airport hat einfach nicht genug Potenzial. Das zeigt allein der Blick auf die bisherigen Zahlen. Bis Ende November brachte es der Flugplatz im vergangenen Jahr auf gerade einmal 46.000 Fluggäste. Im Eröffnungsjahr 2013 waren es in etwa genauso wenige.

Diese Flughäfen verlieren an Boden

Frankfurt-Hahn

Passagiere 2014: 2,45 Millionen
Verlust: 8,3 Prozent

Quelle: Flughafenverband ADV, Flughäfen

Karlsruhe/Baden-Baden

Passagiere 2014: 983.451
Verlust: 7,2 Prozent

Memmingen

Passagiere 2014: 750.315
Verlust: 10,6 Prozent

Nürnberg

Passagiere 2014: 3,26 Millionen
Verlust: 1,6 Prozent

Paderborn

Passagiere 2014: 763.872
Verlust: 3,9 Prozent

Saarbrücken

Passagiere 2014: 398.128
Verlust: 1,8 Prozent

Weeze

Passagiere 2014: 1,81 Millionen
Verlust: 27,3 Prozent

Dazu kommt: Bis zum deutschen Drehkreuz Frankfurt ist es nicht weit und kurz hinter der Grenze zu Nordrhein-Westfalen buhlt auch noch Paderborn/Lippstadt um Kunden. Der Flughafen heißt übrigens auch „Airport“ – und steckt selbst mit zuletzt 764.000 Passagieren im Jahr tief in der Krise.

Neuer Name hin oder her: Kassel Airport wird scheitern. Denn um den Flughafen zu einem Erfolgsprodukt zu machen, müsste man ihn schon verlegen. Dahin, wo die Kapazitäten wirklich gebraucht werden. Nach Berlin zum Beispiel, wo Tegel und Schönefeld aus allen Nähten platzen. Und so steckt in der Satire des „Welt“-Kolumnisten Hans Zippert viel Wahrheit. Dieser wies in der Montagsausgabe dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) die Aussage zu, der Flughafen solle in BERK, Flughafen Berlin-Brandenburg-Kassel, umbenannt werden. Der Flughafen habe immerhin eine Betriebsgenehmigung und funktionierende Gepäckbänder.

Genauso ist es: Die Gepäckbänder funktionieren. Der Flughafen wird jedoch niemals „funktionieren“. Ob als Kassel-Calden oder als Kassel Airport.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Kurt Küttel

19.01.2015, 12:28 Uhr

Die Verantwortlichen für diesen Flughafen gehören in Haft genommen! Veruntreuung von Steuergeldern.

Herr Wolfgang Bürger

19.01.2015, 13:59 Uhr

..das wäre auch mein Text gewesen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×