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15.04.2006

08:05 Uhr

Frankreich

Pariser Allergien

VonHolger Alich

Wenn es um die Verteidigung als strategisch identifizierter Interessen geht, ist der Regierung in Paris Ordnungspolitik herzlich gleichgültig.

Immer die Franzosen: Die privaten Kernaktionäre von EADS, Daimler und Lagardère, reduzieren ihre Beteiligungen an dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern. Über den Finanzriesen CDC stockt Frankreich seinen Staatsanteil leicht auf.

In Deutschland löst derartiger Wirtschaftspatriotismus Empörung aus. Denn nicht nur in der Rüstungsindustrie achtet die Grande Nation darauf, dass sie nicht zu kurz kommt. Bei Großkonzernen wie Air France, Renault, France Télécom, von den Energieriesen GDF und EDF ganz zu schweigen, hält der Staat noch größere Beteiligungen, um sich ein Mitspracherecht zu sichern. Das mag heute altmodisch wirken, zählt in Frankreich indes zum politischen Grundkonsens: Wirtschaft ist selbstverständlich auch eine Sache des Staates. Eine demokratisch legitimierte Regierung hat danach alles Recht der Welt zu intervenieren, wenn es um das Allgemeinwohl geht.

Frankreich mag mit dieser Politik kurzfristig Schlüsselunternehmen vor einem Verkauf an ausländische Interessenten schützen. Mittel- und langfristig verhindert dies jedoch die Bildung europäischer Konzerne, die der Konkurrenz aus den USA und China Paroli bieten könnten. Bei der Gründung von EADS stellte Frankreich nationale Egoismen noch zu Gunsten einer europäischen Lösung in den Hintergrund. So viel Weitsicht sollte man heute aber auch in anderen Bereichen walten lassen. Denn Protektionismus schafft auf Dauer nur Verlierer.

Gleichwohl: Auch in Berlin und Brüssel hält man es zunehmend für legitim, dass die Politik im Bereich der Industrie ihre Interessen definiert. Selbst die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes spricht sich offen für „europäische Champions“ aus.

Klar ist allerdings: Weder die EU-Kommission noch die nationalen Regierungen sollten bestimmen, wer mit wem zu fusionieren hat. Die Mindestanforderung an die Politik muss lauten, die Installierung solcher Champions nicht zu verhindern. Bei Suez hätte Frankreich die Chance gehabt, diese Weitsicht zu beweisen. Doch erneut bevorzugte man in Paris eine nationale Lösung.

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