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16.07.2012

20:16 Uhr

Frankreich

Peugeot-Citroen holt alte Leichen aus dem Keller

VonThomas Hanke

Vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich hielten viele Unternehmen ihre Sanierungspläne zurück. Nun reiht sich eine Sanierung an der anderen. Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande ist verägert.

Was in Deutschland Opel ist, ist in Frankreich Peugeot-Citroen. Die Belegschaft in Frankreich kämpft um ihre Arbeitsplätze. AFP

Was in Deutschland Opel ist, ist in Frankreich Peugeot-Citroen. Die Belegschaft in Frankreich kämpft um ihre Arbeitsplätze.

Frankreich steht unter Schock. PSA Peugeot-Citroën, eine nationale Ikone, baut zehn Prozent seiner Autobelegschaft im Inland ab. Das ist kein Einzelfall. Was die Regierung befürchtete, wird zur Gewissheit: Viele Unternehmen haben Sanierungspläne vorbereitet, die sie während des Präsidentschaftswahlkampfs nicht aufzudecken wagten und nun hervorholen. Staatspräsident François Hollande tobt: Die PSA-Führung habe monatelang "gelogen", und er droht: "Der Staat akzeptiert diesen Sanierungsplan nicht, er muss neu verhandelt werden."

Die Empörung ist nachvollziehbar. Peugeot und Citroën gehören zu Frankreich wie Baguette und Rotwein. Dass diese ehrwürdigen Marken auf der Kippe stehen, trifft die Regierung weitgehend unvorbereitet. Die kräftigen Worte des Präsidenten ändern nichts daran, dass die Mannschaft von Hollande und Premier Jean-Marc Ayrault noch keine wirtschaftspolitische Strategie hat, um auf den bevorstehenden Jobabbau in der Industrie zu reagieren. Die Regierung weiß nicht, wie sie die Arbeitskosten der Unternehmen senken soll. Das Thema war lange tabu. Industrieminister Arnaud Montebourg hat dazu wenig bis nichts beizutragen, er setzt auf schwüles Pathos: "Wir werden bis zum letzten Blutstropfen um unsere Industriestandorte kämpfen." Konkret wurde er nur bei der neuen Staatsbank, die angeblich die Mittelständler aus dem Jammertal führen werde, bei der Ankündigung, die deutschen Fraunhofer-Institute kopieren zu wollen, und der Drohung nach Brüssel, gegen die europäische Wettbewerbspolitik zu kämpfen. Mit Montebourg fährt Frankreichs Industrie wohl vor die Wand.

Doch neben ihm arbeitet Louis Gallois, der erfolgreiche frühere EADS-Chef. Gallois hat von Ayrault den Auftrag bekommen, einen "produktiven Pakt für die Industrie" zu erarbeiten - also eine Alternative zu Montebourgs konfuser Mischung aus altlinken und neogaullistischen Rezepten. Für Gallois geht es vor allem darum, die Arbeitskosten in den Griff zu bekommen, die Sozialabgaben zu senken, die Margen der französischen Unternehmen zu steigern, damit sie in höherwertige Produkte investieren und damit den Weg aus der Abstiegsspirale finden können.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

16.07.2012, 21:09 Uhr

" Dass diese ehrwürdigen Marken auf der Kippe stehen, trifft die Regierung weitgehend unvorbereitet."

Sehr merkwürdig - vielleicht sollte die Regierung mal das Internet benutzen, da gibt es etliche Experten die genau das vorausgesagt haben. Es wird nicht bei Citroen bleiben - andere Unternehmen werden folgen - viele.

Den Grund ist bekannt.

Ben-Wa

16.07.2012, 21:13 Uhr

Tja, Herr Hollande, mit sozialistischen Parolen konnten Sie den Franzosen während des Wahlkampfs den Kopf verdrehen, aufgeputscht zudem von der deutschen SPD-Troika. Aber die wirtschaftliche Realität werden auch die belogenen Franzosen kennenlernen - auf die harte Tour! Denn Frankreichs Wirtschaft ist am Arsch - ohne Wettbewerbsfähigkeit, ohne Innovationen, ohne mit der Globalisierung zurecht zu kommen. Selbst dieser Micker-€ ist noch zu stark für die französische Industrie. Wettbewerbsfähigkeit sieht anders aus.
Die Dinge waren im Ausland alle bekannt. Nur die GRANDE NATION spielt weiter GRANDE NATION und merkt dabei nicht, wie steil es doch abwärts geht!

Sebastinan

16.07.2012, 21:14 Uhr

wenn der autor schon mit der börse agumentiert,hier ein paar fakten von damals: vier jahre hatte s. nicht,der abschwund der n.e. setzte im märz 2000 ein(barrons report-todesliste als auslöser),im märz 2003 war der tiefpunkt erreicht,da war aber die agenda erst in planung,s.kam aber erst im herbst 98 an´s ruder,von daher waren es nur 1,5 jahre börsenaufschwung,außerdem war zu der zeit gerade rußland-,asien- und ltcm -hedgefondskrise,die den dax von juli 98 38% bis oktober 98 kosteten,beim nemax waren es fast 50% ,allerdings glich der nemax bis februar 99 alle verluste aus,währende der dax die 6221 erst im dez.99 wiedersah....

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