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10.04.2006

13:03 Uhr

Fusionen

Kommentar: Solide Basis

VonUlf Sommer

Die Übernahmewelle erreicht wieder die Dimensionen der Jahrtausendwende. Das gilt spätestens seit dem überraschenden Gegengebot Bayers für Schering, nachdem Merck die erste Offerte abgegeben hatte. Vor allem in Deutschland geht es diesmal rund. Doch im Unterschied zur großen Fusionswelle von einst sind die Übernahmen von heute ein gutes Stück gesünder und berechenbarer als damals. Viele Unternehmen haben dazugelernt, gehen professioneller und vor allem auch abgeklärter mit dem derzeitigen Boom um.

Die Situation ist günstig und besser als vor sieben Jahren. Nach der großen Konsolidierung zwischen 2001 und 2003 verdienen die Unternehmen heute so viel wie noch nie. Sie haben zudem ihre Bilanzen bereinigt und einen Großteil ihrer Schulden abgebaut. Allein die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen haben 120 Milliarden Euro Bares in der Hinterhand, die sie sofort für Übernahmen einsetzen können. Niedrige Zinsen versetzen sie zudem in die Lage, bei den Banken preisgünstige Kredite zu bekommen. All das sind bessere Voraussetzungen als im Übernahmekarussell zur Jahrtausendwende.

Damals boomten die Börsen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg auf über 8 000 Punkte, wovon er aktuell ein gutes Drittel entfernt ist. Damals wetteten die Märkte zudem auf eine bessere Zukunft. In der Euphorie über den Internetboom und die plötzlich grenzenlose Kommunikation glaubte man, das Zeitalter endlosen Wachstums – ohne störende Begleiterscheinungen wie Inflation – sei angebrochen.

Extrem überteuerte Aktien – deutsche Technologiewerte waren damals 1 000 Prozent mehr wert als heute – verleiteten die meisten Unternehmen dazu, ihre Übernahmen mit Aktien zu bezahlen. Sie versüßten dem Übernahmeopfer die Schmach des Verschwindens.

Vodafone kam so bei Mannesmann zum Zuge. Nach einer beispiellosen Übernahmeschlacht zahlten die Briten 150 Milliarden Euro. Heute ist der Gesamtkonzern nur mehr ein Drittel dessen wert. Völlig überzogen waren auch die 186 Milliarden Dollar, für die der Internetprovider AOL den Traditionskonzern Time Warner übernahm. Neun Zehntel der Summe sind bis heute vernichtet. Und Daimler war vor dem Deal mit Chrysler doppelt so viel wert wie heute.

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