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04.02.2004

07:13 Uhr

G7-Treffen

Kein Wunder in Boca Raton

VonTorsten Riecke

Selten waren die Erwartungen an ein Treffen der sieben führenden Industrieländer (G7) so hoch – und selten waren die Erfolgsaussichten so gering.

Quelle: Handelsblatt

Die Finanzminister und Notenbankchefs reisen am Wochenende mit derart unterschiedlichen Interessen nach Florida, dass unter der Sonne von Boca Raton schon ein Wunder geschehen muss, damit die Probleme der Weltwirtschaft angepackt werden.

Wie könnte so ein Wunder aussehen? Wenn ökonomische Vernunft und nicht politische Taktik das Treffen bestimmte, dann müsste ihre Erklärung so lauten:

Damit die Weltwirtschaft wieder ins Gleichgewicht kommt, muss Amerika mehr sparen, Europa stärker wachsen und Asien mehr in die eigene Wirtschaft investieren. Die G7 stellt deshalb fest, dass die Abwertung des Dollars bislang geordnet verlaufen ist und zu einer besseren Balance in der Weltwirtschaft führt. Japan und auch China müssen aber einen größeren Teil der Lasten des Dollar-Verfalls tragen. China wird außerdem eingeladen, künftig an den G7-Treffen teilzunehmen.

Amerika verpflichtet sich, mehr zu sparen und weniger zu konsumieren, und zwar durch eine angemessene Fiskal- und Geldpolitik (sprich: geringere Ausgaben und höhere Zinsen). Europa verspricht dafür, die Binnennachfrage auch mit den Mitteln der Geldpolitik (sprich: niedrigeren Zinsen) anzukurbeln.

Das Wunder von Boca Raton wird wohl nicht stattfinden. Die Europäer reisen in der Erwartung an, dass die USA die Talfahrt des Dollars endlich stoppen und die Amerikaner ihre Defizite im Haushalt sowie im Außenhandel abbauen. Die US-Regierung hat jedoch weder ein Interesse daran, den Greenback zu stärken, noch ist sie bereit, sich in Sachen Haushalt die Leviten lesen zu lassen: In Amerika wird gewählt. Da wird alles, was das Bild einer gesunden Wirtschaft stört, unter den Teppich gekehrt.

Japan wird sich aus diesem Streit heraushalten und die eigene Währung weiterhin mit Interventionen vor einer starken Aufwertung bewahren. Und China, der andere große Manipulator des Währungssystems, sitzt in Florida gar nicht mit am Tisch. Weil Taktik triumphiert, droht in einem kritischen Moment die politische Koordinierung, Sinn und Zweck der G7, zu versagen.

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