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22.01.2008

15:29 Uhr

Ob Europa die Globalisierung in Zukunft bewältigt, hängt davon ab, ob wir uns künftig auf die Schaffung von neuen oder auf die Verteidigung von alten Arbeitsplätzen konzentrieren. Direkte Unternehmenssubventionen stellen eine veraltete Verteidigungsstrategie dar, mit der wir heute keinen Erfolg mehr haben. Staatliche Fördermittel sollten in Bildung und Forschung gehen und somit Voraussetzungen für neues Know-how und neue Arbeitsplätze schaffen. Die Zukunft Europas liegt im High-Tech- und Know-how-Bereich. Der Strukturwandel muss weitergehen. Einfache industrielle Produktionsprozesse werden von Westeuropa ostwärts – in den näheren und ferneren Osten – verlagert. Der Strukturwandel ist unabdingbar, damit Europa und einzelne Länder auch künftig erfolgreich sein können.

Die Entscheidung Nokias bedeutet einen harten Schlag für eine Stadt und ihre Bevölkerung. Ähnliche Fälle finden sich leider überall in Europa, auch in Finnland, dem Heimatland Nokias. Zeitgleich mit dem Entsetzen in Bochum wird auch eine ganze Papierfabrik im finnischen Lappland geschlossen. Für die betroffenen Arbeitnehmer bedeutet dies menschliche Not und Unsicherheit bezüglich der Zukunft. Aufgabe der Gesellschaft ist es, die Auswirkungen dieser Entscheidungen abzufedern. Auch die betreffenden Unternehmen müssen ihre Verantwortung schultern.

In Verbindung mit der Schließung des Nokia-Werks in Bochum kann man Nokia vielleicht einen Kommunikationsfehler, nicht jedoch strategische Fehler vorwerfen. Nokia ist ein äußerst profitables und erfolgreiches Unternehmen, und in einem harten internationalen Wettbewerb sind Beschlüsse erforderlich, die auch einen künftigen Erfolg sicherstellen. Es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt für schwierige Beschlüsse. Mit Sicherheit kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Zeitpunkt für einen Beschluss falsch ist, wenn er im Hinblick auf das Unternehmensergebnis zu spät getroffen wird.

Deutschland und Finnland – der Exportweltmeister und das Spitzenland der Mobiltechnologie – sind beide Gewinner der Globalisierung. Die Unternehmen beider Länder haben von dem starken Wirtschaftswachstum in Mittel- und Osteuropa und in Asien profitiert. Ohne den in beiden Ländern erfolgten Strukturwandel wäre dies nicht möglich gewesen.

*René Nyberg ist Botschafter Finnlands in Deutschland

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