Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2012

11:41 Uhr

Gastkommentar

Aus Zwang könnte ein verlockendes Geschäft werden

VonJörg Rocholl

Die bisherigen Rettungsmaßnahmen konnten die Krise in der Euro-Zone nicht beheben. Die Idee der „Zwangsanleihen“ versprechen da durchaus mehr Erfolg - wenn sie attraktiv ausgestaltet sind.

Der Autor Jörg Rocholl ist Präsident der ESMT in Berlin. Sie erreichen ihn unter gastautor@handelsblatt.com. ESMT Pressebild

Der Autor Jörg Rocholl ist Präsident der ESMT in Berlin. Sie erreichen ihn unter gastautor@handelsblatt.com.

Zwangsanleihen. Schon der Begriff lässt jedem marktwirtschaftlich orientierten Betrachter einen Schauder über den Rücken laufen.

Er erinnert an Instrumente, die vor allem in Zeiten von Kriegen und höchster Not angewendet wurden. Nun findet diese Idee neuen Zulauf, in Deutschland wie auch in anderen Ländern. Das hängt damit zusammen, dass alle bisherigen Rettungsmaßnahmen die gegenwärtige Krise in der Euro-Zone nicht zu beheben vermochten. Die Hilfen der Staaten und der Zentralbanken haben den Problemländern bestenfalls Atempausen verschafft. Die Bevölkerung in vielen Geberländern und mit ihr Ökonomen, Politiker und Richter fragen sich zunehmend, ob weitere Hilfen sinnvoll sind.

Bei der Frage nach den verbliebenen tiefen Taschen richtet sich der Blick nun auf das einheimische private Kapital im Süden, und dieser Blick lohnt sich, was sich am Beispiel Italiens schön illustrieren lässt. Italien ist - ungeachtet seines staatlichen Defizits und seiner hohen Gesamtverschuldung - ein reiches Land. Nach Angaben der italienischen Zentralbank betrug das Bruttovermögen pro Familie zum Ende des Jahres 2010 etwa 400 000 Euro. Das durchschnittliche Nettovermögen erreichte am Ende des Jahres 2009 das 8,3-Fache des verfügbaren Bruttoeinkommens. Dieser Wert liegt deutlich über dem anderer Länder: In Deutschland liegt dieser Faktor bei etwas über sechs, in den USA sogar unter fünf. Das gesamte Nettovermögen der Italiener beträgt 8,6 Billionen Euro und liegt damit deutlich über den Verbindlichkeiten des italienischen Staats von gegenwärtig knapp zwei Billionen.

Die Idee liegt also nahe, dieses private Vermögen stärker zur Finanzierung des Staates heranzuziehen. Denn die absoluten Investitionen italienischer Privatpersonen in ihre Staatsanleihen wie auch deren Anteil am Gesamtvermögen ist über die letzten Jahre deutlich gesunken. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die Vermögensverteilung ist in Italien ungleicher als in anderen Ländern. Zehn Prozent Italiener gehören etwa 45 Prozent des Vermögens, während den unteren 50 Prozent der Bürger nur etwa zehn Prozent gehören.

Dazu folgendes Gedankenexperiment: Man verpflichte die zehn Prozent der vermögendsten Italiener dazu, zehn Prozent ihres Vermögens zusätzlich in italienische Staatsanleihen zu investieren. Dieser Ansatz würde knapp 390 Milliarden Euro mobilisieren, was fast ausreichen dürfte, den italienischen Finanzierungsbedarf bis zum Ende des Jahres 2014 zu decken.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.07.2012, 12:02 Uhr

Seltsame Umwege - viel einfacher ist es, in I konsequent gegen Steuerhinterziehung vorzugehen und eine (evtl. befristete) Vermögens- und Immobiliensteuer einzuführen. Eine moderate Heranziehung der Wohlhabenden garniert mit Bürokratieabbau, Reformen des Arbeitsrechts und optimistischen Zukunftsszenarien könnte eine positive Wirkung auf die private Nachfrage, aber auch Unternehmenstätigkeit haben (wie es Monti ja versucht).

bhayes

12.07.2012, 12:09 Uhr

Wer rechtsordnungszerbrechende Zwangsanleihen fordert, fordert die Diebsgesindelgesellschaft.
Ich fordere jeden Befürworter auf, sofort alle derartigen Forderungen zurückzunehmen und sich für diese verbrecherischen Unverschämtheiten zu entschuldigen!
SOFORT!

Account gelöscht!

12.07.2012, 12:20 Uhr

Es wird immer absurder... jetzt kommen schon Zwangsabgaben die man den Leuten als sinnvoll erklärt.

Herrschaften was passierte denn bitte mit Milliarden aber Milliarden die Jahrzehnte von Deutschen eingesackt wurden weil diese nach wie vor so dumm sind und fast 7 Monate im Jahr für den Staat zu arbeiten? Wo ist das Geld????

Glaubt hier wirklich jemand mit diesen zusaätzlichen Milliarden die durch eine ZWangsabgabe (absurd) hereinkommen wird auch nur ein Funke verändert? Das Geld wird ebenso von der kriminellen Parteiendiktatur verballert, mehr nicht!

Das Übel was uns diesen ganzen Mist eingebrockt hat sitzt im Bundestag und ist nirgendwo anders zu finden, während man den Bürger auf andere Bürger und gegen andere Länder aufhetzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×