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04.06.2012

19:52 Uhr

Gastkommentar

Die Euro-Zone muss zur politischen Größe werden

VonPeter Mandelson

Europa leidet nicht nur an der Banken- und Schuldenkrise, sondern auch an einem Mangel an politischer Legitimation. Eine Rückkehr des Kontinents zu nationalen Märkten wäre allerdings ein echter Alptraum.

Peter Mandelson: „Die Fiskalunion braucht erst noch ein politisches Mandat.“ ap

Peter Mandelson: „Die Fiskalunion braucht erst noch ein politisches Mandat.“

Winston Churchills berühmte Züricher Rede aus dem Jahr 1946, in der er die Idee von den „Vereinigten Staaten von Europa“ verteidigt, dient auf dem europäischen Kontinent gerne als Beleg dafür, dass im Herzen der Europäischen Union auch britische intellektuelle DNA-Spuren zu finden sind. Aber natürlich war der Premierminister damals weit davon entfernt, Großbritannien als einen Teil dieser Vereinigten Staaten zu sehen. Wie viele seiner Zeitgenossen war er davon überzeugt, dass unser Land ein eigenständiges Imperium war und nicht etwa Teil eines anderen. Mit dem Management belgischer Kohleminen wollte das Vereinigte Königreich partout nichts zu tun haben.

Es ist eine hochinteressante historische Tatsache, dass Winston Churchill zu der letzten Generation alter Konservativer gehörte - mit Ausnahme der gerade jetzt wieder amtierenden -, die beide Ansichten gleichzeitig hegte: dass eine enge politische Integration der zentralen europäischen Staaten vonnöten sei, London damit aber nichts zu tun haben sollte.

Seither ist in den britischen Beziehungen zur Europäischen Union wirklich alles von dieser Ambivalenz gekennzeichnet, ob bei Labour oder bei den Tories. Mein eigener Großvater, der im Jahre 1950 dem Land als Premier während Clement Attlees Krankheit diente, entschied sich damals gegen die Teilnahme Großbritanniens an der Montanunion, weil das, wie er meinte, „die Minenarbeiter in Durham nicht mittragen werden“. Als es offenkundig wurde, dass Churchills ambivalente Vision von Großbritannien nicht länger haltbar war, verkomplizierten sich die Ansichten über den Kontinent.

Harold Macmillan, der konservative Regierungschef Großbritanniens, grämte sich in seinem Tagebuch endlos, dass ein vereintes Europa ohne Großbritannien zu einem von den Deutschen dominierten Europa führen müsse, was wir ja gerade mit zwei Weltkriegen zu verhindern getrachtet hatten! Es birgt durchaus Ironie in sich, dass es heute wahrscheinlich Deutschland selbst ist, das sich am ehesten über ein deutsch dominiertes Europa tiefe Sorgen macht.

Natürlich konnte London nicht Mitglied dieser Vereinigten Staaten von Europa sein! Aber es gab andere Wege der Zusammenarbeit. Und so entwickelten Konservative wie Labour-Politiker starke und überzeugende ökonomische Begründungen dafür, dass man sich den Vereinigten Märkten Europas anschließen müsse. Jedenfalls herrschte in London die weithin geteilte Überzeugung, auch in FCO-Kreisen (Foreign Commonwealth Office), dass wir diesen europäischen Prozess von innen mitgestalten müssten. Und so haben wir uns dem Gemeinsamen Markt angeschlossen. London war in den 80er- und 90er-Jahren dann sogar ein intellektueller Schrittmacher bei der Liberalisierung des Gemeinsamen Markts, dem Herz der Europäischen Union also. Gewiss hat diese liberalisierende Kraft Großbritanniens eine weit profundere Wirkung auf die Kommission in Brüssel ausgeübt, als es allseits erkannt wurde.

Kommentare (21)

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04.06.2012, 20:07 Uhr

Mit aller Macht versucht man nun die Vorteile des Euros zu beschwören um noch etwas Zeit zu gewinnen. Eine Freihandelszone braucht weder eine gemeinsame Währung noch die die Aufgabe nationaler Souveränität.

hansblick

04.06.2012, 20:07 Uhr

diesen man kann man...soll man...keinen achtung schenken...das sage ich als englander.

er ist eine der hauptverantwortlichen für die krise..und..er ist eine teil der gruppe die einen united states of europe schon ewig anstreben..

was er hier sagt ist bedeutungslos....als ob eine einbrecher sagen wird er soll der auftrag bekommen hauser zu uberwachen..

Europhantasten

04.06.2012, 20:20 Uhr

Wann begreifen diese „Eliten“ endlich, daß die europäischen Völker ihre nationale Identität bewahren wollen?
Die EU will aus Brüssel gelenkten diktatorisch-zentralistischen Einheitsbrei. Ich bin Deutscher, kein Franzose, Spanier oder Italiener. Genausowenig wie diese Landsmänner/-frauen sich als Deutsche fühlen.
Mal eine Frage, warum schwenken viele Deutsche bei der Fussball EM „schwarz-rot-gold“ und nicht die Flagge mit den Sternen? Weil ihnen die EU am Arsch vorbei geht.



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