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14.04.2012

14:23 Uhr

Gastkommentar

Die Lehre aus der Weimarer Republik

VonHarold James

Wenn demokratische Regierungen in der Krise unpopuläre Maßnahmen ergreifen, brauchen sie internationale Unterstützung. Ein Europa ist nötig, um die Demokratie in den wirtschaftlich bedrohten Staaten aufrecht zu erhalten.

Harold James ist Professor für Geschichte und internationale Angelegenheiten in Princeton. privat

Harold James ist Professor für Geschichte und internationale Angelegenheiten in Princeton.

Die Position Deutschlands in Europa erscheint zunehmend angreifbar. Im Chaos der deutschen Wiedervereinigung des Jahres 1990, als die deutschen Nachbarn sich vor dem neuen Riesen fürchteten, versprach der damalige Kanzler Helmut Kohl ein europäisches Deutschland und kein deutsches Europa. Heute bestimmt Deutschland jedoch die Bedingungen für die finanzielle Rettung Europas.

Es herrscht zwar weitgehende Einigkeit darüber, dass Europa ein substanzielles Wirtschaftswachstum braucht, um seiner Schuldenmisere zu entkommen. Aber die deutsche Sorge um Stabilität drängt die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Darum ist es in Mode, auf Deutschland einzudreschen. Die Kritiker Deutschlands führen dabei zwei Punkte an: Das wahre europäische Problem sei der deutsche Leistungsbilanzüberschuss und die Deutschen seien von ihrer Vergangenheit besessen.

Die deutsche Leistungsbilanz sorgte schon für Diskussionen, bevor die Währungsunion gegründet wurde. Aufgrund starker Exporte hatte sich Deutschland in den 1960er-Jahren zur stärksten und dynamischsten Volkswirtschaft Europas entwickelt. Als die aus den Leistungsbilanzüberschüssen entstehenden Ungleichgewichte unfinanzierbar und untragbar wurden, bestand Anpassungsbedarf. Die europäischen Partner Deutschlands, allen voran Frankreich, kamen regelmäßig unter Druck, ihre Defizite durch Sparprogramme und Deflation zu korrigieren. Für die politische Elite Frankreichs war das ein Anathema, weil so das Wachstum gehemmt und die Wahlchancen gesenkt wurden. Die Franzosen (sowie auch andere Mittelmeerländer) hätten lieber eine geld- und fiskalpolitische Expansion Deutschlands gesehen, um dessen Exportstärke abzuschwächen. Dieser Kurs war bei den Deutschen allerdings wegen der damit verbundenen Inflationsgefahren immer unbeliebt.

Der zweite, von Nobelpreisträger Paul Krugman wiederholt geäußerte Kritikpunkt an Deutschland ist, dass die vermeintliche Lehre aus der deutschen Geschichte falsch sei. Nicht die berühmte Hyperinflation der frühen 1920er-Jahre zerstörte die fragile Weimarer Republik und ebnete den Nazis den Weg zu ihrem Aufstieg. Vielmehr wurde die Demokratie zehn Jahre später durch Depression und Deflation zerstört.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

14.04.2012, 14:33 Uhr

Deutschland und Demokratie in einem Satz, da lach ich mich gleich kaputt! den Quatsch glaubt doch keiner mehr. Und DDR? Sorry aber mir kommts so vor als hätte die DDR, die BRD befreit und nicht umgekehrt.

Dieser ganze Wahnsinn kommt von dieser PArteiendiktatur die besser ist als jede Bombe die dieses Land jemals abbekommen hat, wenn es um Zerstörung geht. Kompliment.

Holzauge

14.04.2012, 15:11 Uhr

"Heute (...) ist Europa – als eine Union mit gemeinsamen Werten – notwendig, um die Demokratie in den vom wirtschaftlichen Zusammenbruch bedrohten Nationalstaaten aufrechtzuerhalten."

Deutschland und Europa sind Kulturnationen, sie gründen sich nicht auf eine gemeinsame Abstammung sondern auf eine gemeinsame Kultur.

Die Moleküle in einem Wasserglas haben bei Raumtemperatur eine Geschwindigkeit von über 800 km/h (Brownsche Molekularbewegung) , jedoch bewegt sich das Glas nicht da die Moleküle keine gemeinsame Richtung haben. So ein Glas ähnelt einer Gesellschaft deren Kultur abhanden gekommen ist.

Die Kultur gibt einer Gesellschaft Kraft denn es gibt dem Einzelnen Richtung, sie ist unser kostbarstes Gut ohne das wir zwangsweise zu einem failed state werden.

Es ist Aufgabe der Politik Europas gemeinsame Werte, seinen kulturellen Querschnitt, herauszuarbeiten und zu leben, nicht um gegenwärtig die Subventionierung des einen oder anderen Staat Europas zu rechtfertigen sondern um letztlich Europa aus der Taufe zu heben.

Eine unzertrennliche politische Einheit mit einem homogenen Wirtschaftsraum der Platz für die reichlich vorhandene Kultur seiner Bürgerinnen und Bürger nach Feierabend bietet.

Ein Staat ohne jegliche Gleichmacherei, Unterdrückung oder gar Ausbeutung sondern vielmehr ein Freiraum zur ungehinderten Entfaltung seiner Bürgerinnen und Bürger, ähnlich wie ein Riff geschützten Lebensraum im weiten Ozean bietet.

Wie Hr. Sarkozy sagte: "Wir geben keine Souveränität an Brüssel ab, sondern sie wird mehr indem wir sie gemeinsam ausüben"

wolfgang

14.04.2012, 15:27 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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