Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.07.2012

13:48 Uhr

Gastkommentar

EU-Handelspartner sollen ihre Hürden wegräumen

Europa sollte sich mehr auf Handelspartner konzentrieren, die ihrerseits ebenfalls Handelshindernisse aus dem Weg räumen. Freihandel sollte auf beiden Seiten stattfinden. Ein Gastkommentar von Stephen Odell.

Stephen Odell, Chairman und CEO von Ford Europa.

Stephen Odell, Chairman und CEO von Ford Europa.

Freier Handel ist ein Prinzip, das von der Automobilindustrie weltweit unterstützt wird. Damit Freihandelsabkommen Wirkung zeigen, müssen sie den Abbau bestehender tarifärer und nichttarifärer Handelshemmnisse, den Ausschluss von Währungsmanipulationen und die gegenseitige Liberalisierung von Import und Export durch die Handelsnationen fordern.

Die Erfahrung lehrt uns jedoch, dass die versprochene Freihandelstheorie nicht immer der Freihandelspraxis entspricht. Das Prinzip des fairen Handels muss neu formuliert werden, denn die Europäische Kommission hat bei den Mitgliedstaaten ein Verhandlungsmandat zum Abschluss eines weitreichenden Handelsabkommens mit Japan beantragt, der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Mitgliedstaaten sollten mit Bedacht vorgehen. Unternehmen sollten Fürsprecher eines freien Handels sein, sofern seine Regeln transparent sind und ordnungsgemäß umgesetzt werden.

Das Handelsabkommen mit Südkorea hat es versäumt, die fehlende Reziprozität oder die nichttarifären Handelshemmnisse anzugehen, die den Export in den so wichtigen koreanischen Markt behindern. Nichttarifäre Handelshemmnisse (NTB) wie Quoten, Normen, Lizenzen bilden immer noch eine Abschreckung für den Verkauf von Fahrzeugen aus Europa. Es ist an der Zeit, diese Handelshemmnisse zu beseitigen und die Schaffung neuer zu verhindern. Nach Angaben der koreanischen Zollbehörde sind die Fahrzeugexporte aus Südkorea nach Europa seit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens jährlich um 40 Prozent auf mehr als 400 000 Einheiten gestiegen, während die Einfuhr von Fahrzeugen aus der EU um 13 Prozent auf weniger als 73 000 Einheiten zunahm. Dies ist eindeutig kein wechselseitiger Handel.

Japan führte mehr als 560 000 Autos im letzten Jahr in die EU ein, den umgekehrten Weg nahmen weniger als 180 000 Fahrzeuge. Diese einseitige Strömung könnte sich zu einer Flut entwickeln, wenn nicht beide Seiten Handelshemmnisse abbauen.

Eine Welle zusätzlicher Fahrzeugimporte nach Europa ohne den zum Ausgleich notwendigen Export trägt nicht zur Sicherung der mehr als 2,2 Millionen Arbeitsplätze bei, die in Europa direkt vom Automobilbau abhängen. Das Handelsabkommen zwischen der EU und Südkorea hat lediglich einen einseitigen Automobilhandel festgeschrieben und die Existenzgrundlage für die Beschäftigten der europäischen Automobilindustrie gefährdet. Eine ähnliche Situation gilt es mit Japan zu vermeiden.

Die EU sollte sich auf engere Beziehungen zu Handelspartnern fokussieren, die die gleichen offenen Marktprinzipien anerkennen und die Wachstums- und Arbeitsmarktstrategie der EU tatsächlich unterstützen.

Solange es keine klaren Hinweise darauf gibt, dass nichttarifäre Handelshemmnisse abgebaut wurden und eine echte Bereitschaft zur Akzeptanz bilateraler Handelsbedingungen besteht, die für beide Seiten offen und fair gestaltet sind, wäre es unklug von der EU, ihre Bemühungen um ein Freihandelsabkommen mit Japan fortzusetzen.

Der Autor ist Chairman und CEO von Ford Europa. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

Von

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

SlingShot

22.07.2012, 21:53 Uhr

fuer die asiatischen Staaten sind die Handelsabkommen eine Einbahnstrasse.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×