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14.05.2012

21:43 Uhr

Gastkommentar

Verehrter Herr Hollande, ...

VonDavid Marsh

Für Angela Merkel und Francois Hollande gibt es keine Alternative: Sie müssen zusammenarbeiten. Würde Deutschlands Kanzlerin Frankreichs designiertem Präsidenten einen Brief schreiben, könnte er sich wohl so anhören.

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF. PR

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF.

Sehr geehrter designierter Herr Staatspräsident,

verehrter Herr Hollande! Ich möchte meine große Vorfreude über unsere geplante Begegnung am 15. Mai in Berlin noch einmal bekräftigen. An der deutsch-französischen Zusammenarbeit und an unserem unerschütterlichen europäischen Willen führt kein Weg vorbei. Ebenso wenig dürfte der Eindruck geweckt werden, zwischen Paris und Berlin bestünden ernsthafte Dissonanzen.

Nicht zuletzt in Hinblick auf die Lage des Euros sollten wir am Dienstag unsere unbeugsame Beharrlichkeit zur Festhaltung an den Spar- und Umstrukturierungsprogrammen unterstreichen. Das politische Vermächtnis der Gründungsväter verpflichtet uns, den deutsch-französischen Schulterschluss kontinuierlich mit neuer Lebenskraft zu füllen!

An dieser Stelle müsste ich auf ein kleines Missverständnis eingehen. Als der CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe Ende Januar Ihre mögliche Präsidentschaft als "Hemmschuh für die weitere Integration und die Zukunft der Europäischen Union" bezeichnete, wurden völlig falsche Schlussfolgerungen gezogen. In Hinblick auf Herrn Gröhes Überzeugung, dass Nicolas Sarkozy "der richtige Mann im Élysée-Palast ist - und es auch künftig sein wird", sowie im Anschluss an seine Feststellung, Sie, verehrter Herr Hollande, verträten "verstaubte Konzepte und linke Umverteilungsfantasien aus der Mottenkiste", gab es in einigen mir nicht besonders freundlich gesinnten Presseorganen zahlreiche irreführende Unterstellungen.

Solche Irritationen sollten uns nicht vom eingeschlagenen Pfad abbringen. Der Redetext von Herrn Gröhe bezog sich in der ursprünglichen Fassung auf eine Einschätzung sozialistischer Regierungsparteien in England, Spanien und Griechenland, die ihre Länder fast in die Pleite getrieben hatten. Ein übereifriger Mitarbeiter hat einer Analyse, die sich mit den Herren Brown, Zapatero und Papandreou auseinandersetzte, einen anderen Ton verliehen.

Bedauerlicherweise wurde das einige Schreibfehler enthaltene Redemanuskript aufgrund von Verschiebungen in der Computerwartung Herrn Gröhe verspätet zugeleitet. Kurzerhand entschied sich Gröhe - mit für unsere Politik beispielhafter Selbstdisziplin -, die Ansprache ohne Abstriche, natürlich auf Deutsch, zu halten. Er meinte, einzelne potenzielle Reibungspunkte würden mangels Sprachkenntnissen des dortigen Publikums untergehen.

Völlig aus der Luft gegriffene Berichte, ich wollte Herrn Sarkozy wahlkampfmäßig unterstützen, sind auf eine Überinterpretation meiner an die Medien lancierten Urlaubspläne zurückzuführen. Noch unglaubwürdiger erscheinen mir Behauptungen, Sie möchten die europäische Haushaltsdisziplin aufweichen, die Europäische Zentralbank in eine Geldvermehrungsmaschine umwandeln und Bundesanleihen durch Euro-Bonds ersetzen. Solche abstrusen Mutmaßungen spiegeln sicherlich nicht Ihre wahren Absichten wider. Umso mehr freue ich mich auf eine Intensivierung unserer gemeinsamen Bemühungen bei allen oben zitierten Punkten.

Mit freundlichen Grüßen, A.M.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.05.2012, 05:51 Uhr

Oh mein Gott. Etwas der Art kriecherisches und schleimiges habe ich lange nicht gelesen. Bedauerlicher Weise wird das erste Gespräch aber zumindest ziemlich ähnlich ablaufen.

Wie verlogen ist dieser ganze Euroterrungsbetrug doch!

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