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02.01.2007

05:00 Uhr

Beim Oscar-reifen Showdown des Gasstreits mit Weißrussland hat Gazprom einen Kompromiss erzielt, der trotz großer Zugeständnisse langfristig einen Sieg für den Moskauer Monopolisten darstellt. Zwei Minuten vor Neujahr wurde ein neuer Fünf-Jahres-Liefervertrag mit Minsk unterzeichnet, der Gashahn blieb offen. Sonst wäre Weißrusslands Gasversorgung unterbrochen worden, wären zum zweiten Mal binnen eines Jahres wegen Gazproms Muskelspielen mit Russlands Nachbarn auch EU-Länder mit Engpässen konfrontiert gewesen.

Dieser neueste Streit macht zweierlei klar: Russland ist bereit, im Kampf um die Vorherrschaft in der GUS und um das Wiedererlangen seiner Weltmachtrolle Energielieferungen als politische Waffe einzusetzen. Gazprom büßt die Rolle als sicherer Lieferant ein und ist zum politisch gesteuerten Instrument des Kremls geworden.

Das Verhandlungsmarathon bis weit in die Silvesternacht hinein hat für Gazprom aber auch den Vorzug, dass der Konzern künftig auch noch den weißrussischen Gasversorger Beltransgas kontrolliert. Die Krake hat somit noch einen Arm mehr, um den Transit russischen Erdgases nach Europa vollständig zu beherrschen.

Die Kröten, die Gazprom dafür schlucken musste, die Verdoppelung der Transitgebühren, sind klein im Vergleich zu den Folgen, die die Preiserhöhung für Weißrusslands Wirtschaft hat: Sie wird noch weniger konkurrenzfähig als schon jetzt. Belarus wird so waidwund gemacht für die Einverleibung durch Russland. Schuld daran ist aber nicht Gazprom, sondern Weißrusslands Diktator Alexander Lukaschenko: Er hat mit seiner aberwitzigen Politik sein Land in die vollkommene Isolation und in die einseitige Abhängigkeit von Moskau getrieben.

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