Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2012

17:07 Uhr

Gehaltsdebatte

Verdienen Manager ihre Topgehälter?

VonDieter Fockenbrock

Wie viel ein Manager verdienen darf, sorgt immer wieder für hitzige Debatten. Dabei stützen vor allem drei Argumente die Topgehälter - doch keines davon ist richtig, schreibt Dieter Fockenbrock.

Verglichen mit seinen Kollegen verdient Norbert Reithofer, der Vorstandsvorsitzende von BMW, eher wenig. AFP

Verglichen mit seinen Kollegen verdient Norbert Reithofer, der Vorstandsvorsitzende von BMW, eher wenig.

Auch Norbert Reithofer setzt Maßstäbe. Der Vorstandsvorsitzende des Münchener Autokonzerns BMW ist in diesem Jahr der am schlechtesten bezahlte Automanager der Republik - gemessen an der erreichten Umsatzrendite des Münchener Konzerns. Reithofer erhält für das äußerst erfolgreiche Geschäftsjahr 6,2 Millionen Euro. Und das bei einer operativen Rendite von stolzen 11,8 Prozent.

VW-Chef Martin Winterkorn vermag konzernweit nur 7,1 Prozent vorzuweisen, bekommt mit 17,5 Millionen Euro aber bald das Dreifache Reithofers. Selbst Daimler-Chef Dieter Zetsche kassiert 8,8 Millionen für die Mühen des Jahres, und damit mehr als sein Münchener Kollege. Dabei reichte es in Stuttgart nur für neun Prozent Umsatzrendite.

Zweck dieses kleinen Zahlenspiegels ist es keineswegs, die Leistungen der Herren Reithofer, Winterkorn und Zetsche in Zweifel zu ziehen. Noch weniger geht es darum, das inzwischen recht stattliche Salär der führenden deutschen Automanager populistisch anzuprangern. Hier soll es vielmehr um die Frage gehen, ob die Manager der Republik ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden.

Die Bezahlung eines Vorstandsvorsitzenden lässt sich nicht - wie vielfach behauptet - mit der eines Büroangestellten vergleichen. Hier gelten eigene Regeln. Doch die zentralen Argumente, die gegen Kritik an üppigen Managergehältern angeführt werden, können auch nicht überzeugen.

Erstens: Die Bezahlung von Topmanagern müsse sich an internationalen Maßstäben orientieren. Zweitens: Manager trügen im Gegensatz zu normalen Beschäftigten ein Beschäftigungsrisiko. Und drittens: Managervergütungen seien Knappheitspreise und nicht das Ergebnis tarifrechtlich definierter Qualifikationsmaßstäbe.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mitbuerger

17.03.2012, 19:52 Uhr

Guter Artikel. Die Schlußfolgerung (dass die Vorstandsgehälter oft überzogen sind) auszuformulieren hatte sich der Autor zwar nicht getraut, aber die Grundlage hierfür geliefert. Das letzte Argument hätte man auch damit widerlegen können, dass Traineestellen für Führungspositionen auch von überdurchschnittlichen Absolventen kaum zu ergattern sind; da muss quasi nur ein Haar beim Vorstellungsgespräch krum sitzen, schon bekommt man sie nicht.

azaziel

17.03.2012, 23:08 Uhr

Managergehaelter sind seit Jahren ueberproportional gestiegen. Unwahrscheinlich, dass sich Knappheitsverhaeltnisse so drastisch veraendert haben und unwahrscheinlich, dass Manager frueher unterbezahlt waren. Die Ursache ist in dem Umstand zu suchen, dass sich eine geschlossenen Elite, die von niemandem kontrolliert wird, Jobs selbst gibt und Gehaelter und Boni selbst bestimmt.

Besonders deutlich wird das Wirken der unkontrollierbaren Elite bei den Bankboni. Die Clique an der Spitze gewaehrt sich diese Boni selbst! Der Bonus ist am Jahresgewinn orientiert und der Manager maximiert das Zinseinkommen der Bank und damit seinen Bonus, obwohl ihm bewusst ist, dass er durch Hochriskoanlagen das Vermoegen seiner Aktionaere verspielt. Am Vermoegensverlust hat der Manager keinen Anteil.

Kein geistig gesunder Bankier oder Aktionaer wuerde einem angestellten Manager erlauben, seinen Bonus zum Nachteil der Eigentuemer festzulegen. Warum haben wir eine nicht kontrollierbare Elite? Vorstaende, Aufsichtsraete und Aufsteiger in Warteposition gehoeren der gleichen Klasse an. Aufsichtsraete werden von Eigentuemern wie Versicherungen, Banken, Pensionsfonds und anderen Kapitalsammelstellen gewaehlt. Die Vertreter dieser Eigentuemer gehoeren aber derselben Klasse an und daher ist der Kreis geschlossen. Klassische Eigentuemerkapitalisten werden immer weniger und Kleinaktionaere koennen sich kein Gehoer verschaffen. Entscheidungsmacht hat sich von Eigentuemern auf bezahlte Manager verlagert. Dieser Prozess hat sich durch steigende Bedeutung grosser Kapitalsammelstellen, namentlich der Sozialkassen beschleunigt. Auch das Wachstum der Unternehmensgrossen hat die Strukturveraenderung beschleunigt.

catweezle

18.03.2012, 08:59 Uhr

@azaziel: Danke für die klare Analyse!
Herr Fockenbrock hat zwar gute Argumente gebracht ist dann aber vor seiner eigenen Courage zurückgeschreckt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×