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31.03.2014

10:27 Uhr

Geteiltes Deutschland

Putin, Propaganda und Patriotismus

VonWolfram Weimer

Durch Deutschland geht ein Riss: Russland-Ächtern stehen immer mehr Putin-Versteher gegenüber. Dabei werden heikle Gemengelagen des europäischen Selbstverständnisses offenbar. Fünf Erkenntnisse aus der Ukraine-Krise.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

In der Krim-Krise lockert die politische Debatte langsam auf. Es gibt plötzlich Putin-Versteher und der Propagandawind lässt nach. Dabei werden heikle Gemengelagen des europäischen Selbstverständnisses offenbar. Fünf Beobachtungen zur Krim-Debatte:

Erstens: Das Fristenproblem

Die Europäer schauen mit unterschiedlichen zeitlichen Horizonten auf den Konflikt. Die Putin-Kritiker haben für Europa das Nationengefäß von 1989 vor Augen – das gilt ihnen als unantastbarer Maßstab. Die Russland-Versteher – von Sozialdemokraten wie Helmut Schmidt bis hin zu Konservativen wie Peter Gauweiler – öffnen hingegen die große Perspektive. Sie sehen, dass die Krim schon seit den Zeiten von Zarin Katharina „von nun an und für alle Zeiten“ (1783) zutiefst russisch gewesen ist.

Das vor allem in Deutschland vorherrschende Bewusstsein, dass Europas Geschichte irgendwie erst ab 1933 begonnen hat, erweist sich in dieser Krise als Scheuklappenblindheit. Europas lange Linien der Konflikte und Identitäten werden unterschätzt und prägen den Kontinent so tief, dass sie immer wieder Macht entfalten. Die Grenzen von 1945/1989 sind offenbar nicht für alle die finalen und alle selig machenden Formationen.

In der Ukraine ringt Westeuropa also wie seit Jahrhunderten gegen den Osten, selbst das Jahr 395 (als nach dem Tod von Theodosius I. das römische Reich geteilt wurde) oder 1054 (als sich Europa in eine orthodoxe und eine katholische Welt spaltete) sind plötzlich gegenwärtig. An dieser historischen Demarkationslinie entstehen – genau wie auf dem Balkan – stabile Staaten nur schwer. Und so ist auch die Ukraine ein labiles Gebilde.

Deutschland wiederum schaut schon aus historischer Verantwortung anders nach Osten als Franzosen oder Spanier. Uns verbinden mit Russland nicht nur Pipelines, Autoexporte und Champions-League-Spiele. Die gemeinsame Geschichte eines millionenfachen Hinschlachtens in Weltkriegen prägt hierzulande die Urteile über russische Perspektiven. Darum gibt es in der älteren Bevölkerung Deutschlands eine größere Nachsicht gegenüber Russland als bei den Jungen.

Kommentare (68)

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31.03.2014, 10:50 Uhr

sehr guter Artikel, immerhin wollten ca.97% der Krim Bewohner nach Russland , und warum über Nacht alle Ukraine Bewohner plötzlich Demokraten wurde, wissen nur die EU und die Nato..

Account gelöscht!

31.03.2014, 10:56 Uhr

Was EU wie Nato bislang zu wissen scheinen:

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Mach mir die Tür auf! Ich will durch die Stadt fahren; alle Menschen sollen mich fahren sehen.“

Nunja: 'n the parties re going on.

Und die Stadt bleibt wie sie ist: klein, ängstlich und dumm: urban eben, oder wie die Profis das heutzutage nennen: glocal.

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31.03.2014, 10:59 Uhr

Wir Deutsche sollten die Zeit nutzen, um uns endlich vom Kriegstreiber USA ab zu koppeln. Die Zeiten wqandeln sich und je mehr das Internet wirklich genutzt wird, um so mehr kommtr heraus, was hier wirklichb läuft NSA nur mal als Beispiel.

Hinzu kommt, dass Putin die Waffe ---Volksabstimmung-- zum Einsatz gebracht hat.

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