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19.01.2007

17:35 Uhr

Die Krupp-Stiftung möchte auf der heutigen Hauptversammlung Sonderrechte für sich durchsetzen, um den Konzern gegen feindliche Übernahmen zu wappnen. Fremde Aktionäre haben künftig nicht mehr viel zu melden, wenn dieser Plan durchgeht.

Für die Corporate Governance in Deutschland heißt das: Die noch jungen Prinzipien guter Unternehmensführung und -kontrolle stehen auf dem Spiel. Wie ernst sind sie noch zu nehmen, wenn sich ein Dax-Konzern trickreich dem freien Kapitalmarkt entzieht?

Hauptakteur dieses Plans ist ausgerechnet Gerhard Cromme, Mr. Corporate Governance in diesem Land. Der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp bleibt im Nebenjob Vorsitzender der regierungsamtlichen Corporate-Governance-Kommission. In dieser Funktion wird von ihm ein klares Bekenntnis zu den Aktionärsrechten erwartet. Jede Aktie eine Stimme, so verlangen es internationale Governance-Regeln. Bei Thyssen-Krupp plant Cromme das Gegenteil.

Nach deutschem Aktienrecht dürfen einige Aktionäre allerdings etwas gleicher sein als andere. Sie können am Votum der Hauptversammlung vorbei Aufsichtsratsposten besetzen. Auch so kann man Kontrolle ausüben. Von diesem Recht macht die Krupp-Stiftung jetzt Gebrauch. Was juristisch korrekt ist, entspricht aber noch lange nicht den Grundsätzen guter Unternehmensführung. Cromme und Kollegen haben offenbar die Vorzüge starker Aktionäre wieder entdeckt: weg vom unkalkulierbaren Kapitalmarkt unter das schützende Dach eines Familieninvestors. Wer die Parade der Konzerne abnimmt, stellt fest, dass so mancher längst unter Kuratel steht: Altana, BMW, Henkel, Porsche, Puma, SAP, Sixt.

Bei Porsche oder SAP sichern sich Gründer ihre Macht durch stimmberechtigte Stammaktien. Fremde müssen mit Vorzugsaktien ohne Stimmrecht vorlieb nehmen. Bei BMW schafft die Quandt-Familie mit mehr als 50 Prozent der Aktien klare Verhältnisse. Immerhin: Wer diese Aktien kauft, weiß von vornherein, dass er keinen Einfluss ausüben kann.

Der Fall Thyssen-Krupp liegt anders: Die Stiftung ändert hier die Spielregeln im Nachhinein. Mit Hilfe der Arbeitnehmervertreter will sie so im Aufsichtsrat anderen Anteilseignern Eigentümerrechte verwehren. Die Krupp-Stiftung verhält sich im Grunde wie ein Private-Equity-Fonds: mit minimalem Einsatz maximale Macht ausüben. Eine Stiftung als Ruhr-Heuschrecke.

Thyssen-Krupp markiert auch psychologisch einen tiefen Einschnitt. Denn ausgerechnet der Protagonist guter Unternehmenskontrolle, Gerhard Cromme, sanktioniert als Aufsichtsrat, was er als Kommissionschef verwerfen müsste. Die Absicherung von Aufsichtsratsmandaten per Satzung ist eine der schlimmsten Giftpillen, die sich ein potenzieller Kaufinteressent vorstellen kann.

Unnötig ist das ganze auch noch: Die Krupp-Stiftung braucht gar nicht drei Plätze im Aufsichtsrat, um sich durchzusetzen. Der Großaktionär hatte bisher noch nie Mühe, sich mit seinen qualifizierten Kandidaten auf der Hauptversammlung durchzusetzen. Unter anderem eben mit Cromme.

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