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16.01.2007

15:29 Uhr

Globalisierung

Wiedergeburt des Unternehmers

VonNorbert Berthold*

Die Globalisierung belohnt nicht die komplexen großen Einheiten, sondern die kleineren, die risikofreudig, flexibel und innovativ sind.

Die Bundesrepublik hat im vergangenen Jahr ein für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich starkes Wachstum von 2,5 Prozent erreicht. Auch in diesem Jahr könnte der Zuwachs der Wirtschaftsleistung um zwei Prozent liegen. In den USA dagegen nimmt das Wachstum ab. Diese aktuellen Werte sollten allerdings nicht vergessen lassen, dass seit den neunziger Jahren der Kern der europäischen Länder mit dem Tempo des Wachstums der Vereinigten Staaten nicht mehr Schritt halten konnte.

Einer der Gründe dafür ist, dass bis zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts die Europäer ihr Potenzial an Erwerbsfähigen weit weniger nutzten als die Amerikaner. Die Arbeitsstunden pro Kopf der Bevölkerung wuchsen deutlich langsamer als in den USA. Dort nahm die Arbeitslosigkeit ab, in Europa stieg sie.

Seit Mitte der neunziger Jahre zogen die USA der EU-15 aber davon, weil die Arbeitsstundenproduktivität dort schneller zunahm als in Europa. Die Gründe sind noch nicht ganz verstanden. Vieles deutet allerdings darauf hin, dass im kontinentalen Europa die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in der Fläche weniger genutzt werden als in den USA.

Auf den ersten Blick scheint klar, wo anzusetzen ist, um wieder für mehr wirtschaftliches Wachstum zu sorgen. Eine erste Quelle für ein höheres Sozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung ist eine wachsende Zahl von Arbeitsstunden pro Kopf. Das macht es notwendig, dass Erwerbstätige länger arbeiten, mehr Arbeitnehmer auch beschäftigt werden und ein größerer Teil der Bevölkerung erwerbswirtschaftlich arbeiten will.

Die zweite Quelle wirtschaftlichen Wachstums ist eine kräftigere Steigerung der Arbeitsproduktivität. Fähigere Arbeitnehmer, neue Technologien und bessere unternehmerische Organisationen begünstigen das und fördern damit wirtschaftliches Wachstum.

Entgegen der landläufigen Meinung sind aber Humankapital, Realkapital und technologisches Wissen nicht die letzten Ursachen wirtschaftlichen Wachstums. Darauf hat der Nobelpreisträger Douglas hingewiesen. Was wirtschaftliches Wachstum wirklich treibt, erkennt man erst, wenn klar ist, was die Individuen dazu bringt, mehr zu arbeiten, verstärkt zu investieren und innovativer zu werden.

*Norbert Berthold lehrt Volkswirtschaft an der Universität Würzburg

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