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22.04.2013

11:29 Uhr

Google-Geschäft

Alles hängt an Motorola

VonAxel Postinett

Selbstfahrende Autos, Datenbrillen, Hochgeschwindigkeits-Internet: Google stößt in etliche neue Geschäftsfelder vor. Das könnte allerdings sehr kostspielig werden – und ein Erfolg ist nicht garantiert. Ein Kommentar.

Ist im Werbegeschäft die Luft raus? Google-Chef Larry Page sucht neue Geschäftsfelder. Reuters

Ist im Werbegeschäft die Luft raus? Google-Chef Larry Page sucht neue Geschäftsfelder.

San FranciscoGoogles Zukunft gehört auch der Hardware. Das hat Mitgründer und Firmenchef Larry Page wiederholt angedeutet, aber noch nie so konkret wie bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen Ende der vergangenen Woche. Fahrerlose Autos, Datenbrillen oder Hochgeschwindigkeits-Internet, lange als eher beiläufige Entwicklungen heruntergeredet, stehen auf einmal im Zentrum. Ein Grund zur Besorgnis?

Durchaus. Google ist ein bis in die Wolle durchgefärbtes Internet-Unternehmen. Den ersten Flop hat sich Page schon geleistet. Das Wohnzimmer-Gerät Nexus Q ist grandios gescheitert. Auf der Entwicklerkonferenz 2012 mit großem Tamtam angekündigt, wurde das Media Center noch vor dem Marktstart wieder eingestampft. Zu teuer, nicht durchdacht, zu wenig Leistung. Auch die Settop-Box Google TV, gefertigt von Sony oder LG, ist alles andere als ein Erfolg.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Nexus Q oder Google TV waren aber billige Vergnügen verglichen mit dem, was noch kommen wird. Die 12-Milliarden-Dollar-Investition Motorola Mobility fährt noch immer Verluste ein. Jetzt träumt Page von wasserfesten und unzerbrechlichen Smartphones mit langer Batterielaufzeit. Es besteht kein Zweifel, dass er so etwas von der eigenen Handy-Tochter erwartet und nicht von Apple.

Schnelles Breitband-Internet will Google laut Verwaltungsratschef Eric Schmidt jetzt als „ernstes Geschäftsmodell“ betreiben. Das Unternehmen wird jedoch nach Analystenmeinung mindestens elf Milliarden Dollar investieren müssen, um nur in eine Größenordnung vorzustoßen, die sich lohnen könnte. Und das fahrerlose Auto ist von der Markteinführung noch Jahre entfernt.

Aufhorchen lassen da Äußerungen von Page, dass er Geschäftsfelder suche, die „größer sind als unser gesamtes Geschäft“, mithin größer als 14 Milliarden Dollar im Quartal. Und nach allem was zu hören ist, sucht er nicht mehr im Online-Geschäft.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Ist bei Suche und Werbung die Luft raus? Das Geschäft mit den Klicks beschert dem Konzern fast den gesamten Umsatz und wächst noch, aber die Preise mit Online-Werbung gehen seit Quartalen zurück.

Sind Grenzen des Wachstums in Sicht, ist Page ein guter Chef, wenn er rechtzeitig nach neuen Jagdgebieten sucht. Allerdings ist das Hardware-Geschäft mit starken Gegnern besetzt, und es wird mit messerscharfen Margen gekämpft.

Auf Motorola Mobility kommt es an. Nur wenn Page es schafft, aus dem Verlierer des Smartphone-Booms einen Gewinner zu machen, der Apple und Samsung Paroli bieten kann, wird man ihm glauben, dass er selbst den Internetzugang- oder Automarkt wird aufmischen können. Mithin Märkte, die noch größer sind als sein Online-Imperium.

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