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06.10.2014

16:27 Uhr

Gruner ohne Jahr

Die Braut, die keiner haben will

VonHans-Peter Siebenhaar

Bertelsmann übernimmt den Hamburger Konzern Gruner + Jahr und verspricht Investitionen. Doch damit strebt man keine Renaissance an, sondern ein ganz anderes Ziel. Lesen Sie den Kommentar unsere Medienkommissars.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.

Der Autor

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.

Geradlinigkeit sieht anders aus. Noch vor zwei Jahren wollte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe die Hamburger Milliardärsfamilie Jahr im Tausch für ihren Anteil an Gruner + Jahr in die neue geschaffene Bertelsmann SE holen, nun kauft er die Hanseaten-Familie aus dem Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr („Stern“, „Brigitte“) heraus.

Offenbar für einen überschaubaren Beitrag erwirbt Rabe die Sperrminorität von der Jahr-Familie. Nun können die Gütersloher in Hamburg endlich schalten und walten, wie sie mögen.

Ob die Bertelsmänner mit ihrer Alleinherrschaft eine Renaissance des einst so stolzen Verlagshauses herbeiführen können und wollen, darf getrost gezweifelt werden. Schon in den vergangenen Jahren wurde viele Managementfehler gemacht, damit Gruner + Jahr die digitale Zukunft meistern kann. Von den Güterslohern wurden wichtige Entscheidungen blockiert. Aufsichtsratschef Rabe hielt zudem den Geldbeutel fest zu, wenn es darum ging, risikoreiche Zukunftsinvestitionen zu tätigen. Das Ergebnis: Gruner + Jahr erwirtschaftet nur rund zehn Prozent mit Digitalgeschäften. Beim Konkurrenten Axel Springer sind es mehr als die Hälfte.

Rabe raspelt mit seinem Bekenntnis zum Journalismus Süßholz. In Wahrheit geht es ihm um etwas anderes. Die Komplettübernahme versetzt Bertelsmann endlich in die Lage, den Zeitschriftenverlag zu verkaufen oder zu filetieren. Ohne Rücksicht auf die Jahr-Familie können Teile des einst größten Zeitschriftenkonzerns in Europa Stück für Stück verkauft werden, beispielsweise das wichtige Frankreich-Geschäft, mit dem es ohnehin keine Synergien aus deutscher Sicht gibt.

Rabe ist kein klassischer Unternehmer, er ist vor allem Portfoliomanager. Deshalb zählt für ihn, dass er für einen relativ überschaubaren Preis das Asset Gruner + Jahr zu 100 Prozent übernehmen kann. Der Kaufpreis für den G+J-Anteil soll zwischen 100 und 250 Millionen Euro liegen, streuen Rabes Vertraute.

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