Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2007

05:18 Uhr

Hartz-Proteste

Eingeseift und angeschmiert

VonThomas Hanke

Schaum kommt gut in der Mediengesellschaft. Wer viel Schaum schlägt, bringt es weit in Formaten, die nun mal von Bildern leben. Nachdem sie per Zufall auf dieses bewegende Prinzip gestoßen sind, finden die Anti-Hartz-Initiativen plötzlich wieder im Fernsehen statt. Der Wirbel um den Beck-Beschimpfer Enrico F. wird zur Soap ausgebaut.

Zwanzig Arbeitslose protestieren – eine Meldung für eine der Hauptnachrichtensendungen? Natürlich nicht. Zwanzig Hartz-IV-Empfänger seifen sich in Mainz ein, um gegen den SPD-Chef Kurt Beck zu demonstrieren: Schon schäumen die TV-Sender mit, zur besten Sendezeit. Eingeseift werden allerdings nur vordergründig die „Mächtigen“. Letzten Endes werden die wirklich Angeschmierten die Arbeitslosen sein. Denn nur jetzt, da es ein wenig kostbare Aufmerksamkeit zu erhaschen gilt, steht wieder die ganze Truppe auf der Matte, die früher die Hartz-Proteste unterstützt hat, vornean Verdi und die Linkspartei. Gerade Letztere schert es wenig, dass sie da, wo sie ein bisschen mitregieren darf – wie in Berlin –, aus wohl überlegten Gründen die Hartz-Reformen mitträgt.

All die Mitläufer, die sich jetzt an die Proteste gegen Beck hängen, sind schneller wieder weg, als die Lampen der TV-Kameras abkühlen. Die Tagesarbeit der Erwerbsloseninitiativen, so deren eigene Aussage, findet keine vergleichbare Hilfe. Linkspartei und Verdi sind die Hartz-Proteste ein Anliegen, wenn sie in den eigenen Kram passen. Auch der Boulevard ist ein unzuverlässiger Bundesgenosse: „Bild“ hat sich mit Enrico F. gegen Beck empört, um den Hartz-IV-Empfänger anschließend zu Deutschlands faulstem Arbeitslosen zu befördern. „Schaumschläger“ ist eben nicht umsonst ein altes Schimpfwort.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×