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02.01.2004

14:32 Uhr

Hedge-Funds

Analyse: Halbherzige Reform

VonKathrin Quandt

Das Jahr 2004 beginnt für den deutschen Finanzmarkt mit einem Paukenschlag: Jetzt dürfen Fondsgesellschaften, Banken und Finanzdienstleister hier zu Lande Hedge-Funds auflegen und vertreiben. Für den Investor ist die Transparenz auf den ersten Blick erfreulich. Doch für den Anlageerfolg ist sie kontraproduktiv.

Das Jahr 2004 beginnt für den deutschen Finanzmarkt mit einem Paukenschlag: Jetzt dürfen Fondsgesellschaften, Banken und Finanzdienstleister hier zu Lande Hedge-Funds auflegen und vertreiben. Anleger können die oft als Teufelszeug verschrieenen Funds, die eine Vielzahl undurchsichtiger Strategien wie Wetten auf Kursentwicklungen fahren, nun auch in Deutschland kaufen.

Der Gesetzgeber hat es gut gemeint, als er den Hedge-Funds die gleichen Offenlegungspflichten wie gewöhnlichen Fonds vorschrieb: Sie müssen ausweisen, aus welchen Quellen die Renditen stammen, und danach richtet sich die Besteuerung. Wenn die Quellen nicht genannt werden, wird eine Strafsteuer fällig, die letztlich der Anleger bezahlen muss.

Für den Investor ist die Transparenz auf den ersten Blick erfreulich. Doch für den Anlageerfolg ist sie kontraproduktiv: Denn diese Offenlegungspflicht wird ausländische Anbieter abschrecken – vor allem die international erfolgreichen Funds, die sich ihre Investoren aussuchen können. Weniger erfolgreiche Manager, die Mittel benötigen, dürften eher in die Offensive gehen. So ist zu befürchten, dass sich im ersten Anlauf auf den Markt eine Negativauslese von Funds-Managern etabliert. Daher geht die Transparenz zu Lasten der Rendite. Und: Der Gesetzgeber öffnet den inländischen Anlegern so nicht den globalen Markt.

Außerdem funktionieren manche Strategien wie die Ausnutzung von Preisunterschieden nur, wenn sie geheim gehalten werden. Es ist ja möglich, dass ein Funds-Manager solch eine Strategie für eine längere Zeit fahren will. Dann wird er nur ungern zwischenzeitlich einen Renditeausweis erbringen, der Rückschlüsse auf seine Strategie ermöglicht.

Selbst wenn der Wille zur Transparenz da ist, gibt es praktische Probleme bei der Umsetzung. So ist es gegenwärtig schwierig, Software zu finden, die es gleichzeitig möglich macht, die Strategien einzeln, aber auch aggregiert abzubilden – auch wenn Finanzexperten bereits mit Hochdruck an diesen Abrechnungsverfahren arbeiten. Zunächst sind daher nur einfach abzubildende Produkte mit Aktienbezug zu erwarten. Die hängen aber stark von der Börsenentwicklung ab – was Anleger enttäuschen dürfte, die Hedge-Funds wegen der sonst häufig von der Börse unabhängigen Erträge kaufen wollen.

Der Gesetzgeber hätte somit mehr Mut zum Risiko haben sollen. Die bereits heiß diskutierte Pauschalsteuer auf die Erträge der Funds wäre dabei die beste Lösung für Anleger und Hedge-Funds gewesen – auch wenn eine Pauschalsteuer Großverdiener gegenüber Anlegern mit schmaleren Portemonnaies bevorzugt. Dann wäre kein Premiumanbieter abgeschreckt worden, was ja auch wieder den Investoren zugute gekommen wäre. Eine Pauschalsteuer würde zudem die Produkte generell billiger machen. Denn das Geld, das die Manager für administrativen Aufwand des detaillierten Berichts ausgeben, holen sie sich über die Gebühren ohnehin von den Anlegern wieder zurück.

Sinnvoll für die Anbieter – und indirekt auch für die Anleger – wäre gewesen, wenn der deutsche Gesetzgeber die den ausländischen Funds bereits in ihren Heimatländern attestierten Jahresschlussberichte anerkannt hätte, anstatt eine penible Aufschlüsselung der Renditequellen vorzuschreiben.

Nun werden gesetzliche Nachbesserungen nötig. Das kann bereits im Rahmen der anstehenden Richtlinien zur Umsetzung des Investmentmodernisierungsgesetzes geschehen. Früher oder später wird das Finanzministerium jedenfalls vom detaillierten Ausweis der Renditequellen abrücken müssen – nicht zuletzt auf Druck der Finanzbranche hin, die am Hedge- Funds-Geschäft satte Margen verdienen will.

Volkswirtschaftlich gesehen, lässt sich hingegen die Marktöffnung begrüßen. Denn die in die Hedge-Funds fließenden Finanzmittel werden den Kapitalmarkt effizienter machen; selbst eher vorsichtigen Schätzungen zufolge wird ja in den nächsten drei Jahren ein Marktpotenzial von bis zu 100 Milliarden Euro erwartet. So werden etwa die Umsätze an der deutschen Terminbörse Eurex steigen, und außerdem wird das Wertpapier-Verleihgeschäft aufblühen. Auch die Handelsvolumina an der Kassabörse dürften anschwellen; schließlich werden die Hedge-Funds auch vor Ort investieren. Der effizientere Kapitalmarkt wird Unternehmen ihre Finanzierungen erleichtern und mittelfristig das Wirtschaftswachstum fördern. Wichtig ist auch die Signalwirkung: Der Finanzstandort Deutschland wird modernisiert.

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