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19.04.2012

14:07 Uhr

Indien

Wer mächtig ist, braucht keine Atomwaffen

Asien rüstet auf. Jetzt rühmt sich auch Indien, über atomare Waffen zu verfügen. Grund dafür ist der Irrglaube, zu größer werdender Macht gehört auch die Aufrüstung des Militärs.

Indien testet eine atomare Langstreckenrakete. dpa

Indien testet eine atomare Langstreckenrakete.

Von einem atomwaffenfreien Asien, wie es einst die Staatengemeinschaft Asean gefordert hat, rückt die Region immer weiter ab. Insbesondere  die wirtschaftlich Mächtigeren wie China und Indien stocken ihr Waffenarsenal auf, als ob schon morgen der nächste Mega-Konflikt drohe. Jetzt rühmt sich die indische Regierung dem Klub jener Länder beizutreten, die über atomare Langstreckenwaffen verfügen.

Es ist ein abstruses Kräftemessen, das der Westen schon glaubte, überwinden zu können. Während US-Präsident Barack Obama nach seiner möglichen Wiederwahl mit Russland über den Abbau überflüssiger Atomwaffen reden will, geben Peking und Delhi, Pjöngjang und Teheran immer mehr Geld für Waffen aus. Es ist ein Machtdenken von vorgestern, das sich dahinter verbirgt.

Gerade Asien hat wirtschaftliche, ökologische sozial- und  bildungspolitische Herausforderungen zu meistern, die einen besseren Einsatz dieser Milliarden verlangen. Indiens Bevölkerung lebt zu einem großen Teil immer noch in bitterer Armut – und dennoch steigt das Land zum weltgrößten Waffenimporteur auf. Gewiss, Indien hat es mit seinen Nachbarn nicht leicht. Mit China im Norden und Pakistan im Westen hat es bereits militärische Konflikte ausgetragen, die Bedrohung durch fundamentalistische Extremisten erschüttern das Land. Aber all das rechtfertigt Verschwendung in diesem Ausmaß nicht. Zumal die politische Annäherung an das lange verfeindete Pakistan Fortschritte macht und die wirtschaftlichen Bande zu China enger werden.

Christoph Rabe ist Kolumnist des „Handelsblatt“. Pablo Castagnola

Christoph Rabe ist Kolumnist des „Handelsblatt“.

Doch in vielen Schwellenländern herrscht der Irrglaube vor, es erfordere militärisches Muskelspiel, um  die wahre Macht zu demonstrieren.  Brasilien und Saudi-Arabien sind weitere Beispiele für die unsinnige Rüstungsspirale. Nach den Erfahrungen des kalten Krieges, in dem sich USA und Russland bis zur Grenzbelastung hochrüsteten, müsste eigentlich die Erkenntnis gereift sein, dass die Welt  andere Probleme hat, für deren Bewältigung es sich tatsächlich lohnt, Milliarden zu investieren.

Aber solange Staaten wie China und Russland immer noch davon ausgehen, dass wirtschaftlich Macht gepaart sein muss mit einen Willen zu politischer Vorherrschaft, wird die Rüstungsspirale nicht zu durchbrechen sein. Dass die USA und einige Europäer diesen Wettlauf momentan nicht mitmachen, liegt leider weniger an einer tieferen Erkenntnis, sondern ist der Tatsache klammer Kassen geschuldet. Für die  politische Vernunft ist das ein Armutszeugnis. Und Asien muss wohl noch lange von einer atomwaffenfreien Zukunft träumen.

Von

cr

Kommentare (2)

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Michel

19.04.2012, 21:54 Uhr

Herr Rabe, Ihr Artikel strotzt vor typisch Deutscher Gutmenschen-Naivität.
"Si vis pacem, para bellum", wenn Du Frieden willst, dann rüste zum Krieg. Das wissen auf der Welt offenbar alle, bis auf den Deutschen Michel.

Pat

21.04.2012, 09:47 Uhr

Es ist genau eine Denkweise wie Ihre, die unsere Welt immer wieder so nah an den (militärischen) Abgrund treibt. Wenn Sie den Artikel von Herrn Rabe wirklich gelesen (sprich auch verstanden) haben, hätten Sie bemerkt, dass Herrn Rabe diese (Ihre) Denkweise nicht fremd ist. Er hält sie nur für ein uraltes Relikt. Und damit hat er Recht, nur leider gibt es gerade in den Machtpositionen dieser Welt, viel zu viele Menschen die Denken wie Sie, traurig aber wahr.

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