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06.03.2006

07:00 Uhr

In den letzten Jahren oft versprochen, jetzt ist es so weit: Der Aufschwung und die Investitionen kommen. Aber ist das schon die Trendwende für mehr Wachstum und neue Arbeitsplätze in Deutschland? Ja, für alle, die auf das Prinzip Hoffnung bauen. Nein, für jene, die sich an Fakten orientieren.

Rekordgewinne, gesunkene Lohnstückkosten und ein Vertrauensvorschuss für die neue Bundesregierung fördern endlich wieder höhere Investitionen. Doch gemessen an der rasanten Entwicklung und absoluten Größe der Nettogewinne, muten die beabsichtigten Pläne und Ankündigungen eher bescheiden an. Symptomatisch ist, dass kaum jemand sagt: „Jawohl, wir verdienen viel und investieren deshalb wieder viel in die Zukunft.“ An Stelle beherzter Offensive überwiegt Vorsicht.

Ausnahmen sind rar: Die Deutsche Telekom lehnte sich schon 2005 weit aus dem Fenster und wechselte die Strategie. Jetzt legt der Ex-Monopolist nach und verspricht ebenso wie der Softwarespezialist SAP um ein Viertel höhere Investitionen. Auch Continental kündigt Zukäufe und mehr Engagement in Deutschland an. Der Reifenhersteller könnte so schön das Paradebeispiel für die große Trendwende sein – ist es aber nicht. Conti stand einst an vorderster Front, wenn es darum ging, wegen höherer Profite ins Ausland zu gehen.

Doch gemessen an den Gewinnen – kein Dax-Konzern erreichte in den letzten Jahren solche Steigerungsraten –, mutet das beabsichtigte Investitionsplus von zehn Prozent in Deutschland bescheiden an. Nein, Conti und alle anderen Unternehmen geben nur so viel Geld in heimischen Landen aus, wie absolut notwendig ist. Nicht neue oder der Ausbau vorhandener Anlagen stehen auf der Agenda, sondern Rationalisierungs- und Ersatzinvestitionen.

Natürlich sind um 10 oder 15 Prozent steigende Investitionen ordentlich. Wer dem aber die Dividenden der Unternehmen gegenüberstellt, ahnt rasch die Verhältnisse. Angesichts der Rekordgewinne schütten die Dax-Konzerne demnächst 21 Milliarden Euro aus. Das sind 44 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Und das soll den Unternehmen und ihren Aktionären auch niemand neiden. Schließlich lohnen sich nur jene Aktivitäten, die einen Mehrertrag versprechen. Und damit ist es in Deutschland nicht gerade gut bestellt. Denn während Firmenmanager und Mitarbeiter aus Einsicht in die Zwänge der Globalisierung die Arbeitszeit ausweiten und auf Lohn verzichten, diskutiert die Regierung wieder und wieder darüber, wie viel Wandel und Reformen der Wähler aushält. Auf jeden Fall mehr, als die Volksparteien ahnen! Sonst hätten die Lohnstückkosten binnen eines Jahrzehnts nicht um zwei Prozent sinken können, während sie beispielsweise in Italien um 40 Prozent stiegen.

Das unflexible Arbeits- und Tarifrecht, zu hohe Unternehmensteuern und Sozialversicherungsbeiträge sowie aufgeblähte, ineffiziente, zu teure Verwaltungen in Bund, Kommunen und zu vielen Ländern treiben die Unternehmen ins Ausland. Erst wenn die Regierung diese Missstände beseitigt und so den Standort Deutschland stärkt, werden auch die Unternehmen dauerhaft und mehr in Deutschland investieren. Nicht aus Liebe zur Heimat, sondern aus der nüchternen Überlegung heraus, dass es sich lohnt.

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