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30.01.2007

05:47 Uhr

Investmentfonds

Jagd auf scheue Kunden

VonAnke Rezmer

Das vergangene Jahr geht als ein schwaches in die Geschichte der Fonds ein. Sie haben massive Verkäufe von Anteilen hinnehmen müssen. Die haben sich zwar im Dezember abgeschwächt, doch von einer Trendwende ist die Branche weit entfernt.

Das hat zwei Ursachen: die Angst privater Anleger und die schwachen Renditen. Deutschen Anlegern steckt noch immer der Börsenabsturz nach der Internethysterie in den Knochen. Viele scheuen das Risiko von Kursverlusten und wollen ihr Geld vor allem sicher anlegen. Das Deutsche Aktieninstitut hat vor kurzem nur noch knapp acht Millionen Besitzer von Aktien- oder Mischfonds gezählt. 2001 war es gut ein Fünftel mehr. Fast sechs Milliarden Euro flossen trotz der guten Börsenentwicklung 2006 aus Aktienfonds für private Anleger ab, eine gute Milliarde Euro aus den von steigenden Kapitalmarktzinsen gebeutelten Rentenfonds. Insgesamt stieg das verwaltete Vermögen der Branche gerade mal um rund fünf Prozent, was vor allem auf professionelle Anleger zurückgeht. Die Konkurrenz boomt hingegen. Der Zertifikate-Markt ist 2006 um rund ein Drittel gewachsen.

Ähnlich stark haben die passiven Fonds zugelegt, die Börsenindizes abbilden, die Exchange Traded Funds oder ETFs. Fondsexperten befürchten, dass auch das neue Jahr mit einem erwarteten moderaten Aktienkursanstieg und stärkeren Kursschwankungen das Blatt nicht wenden kann. Viele Investoren warten noch immer auf ihre Einstiegskurse von vor sieben, acht Jahren: nicht um aufzustocken, sondern um auszusteigen. Wenn sie kaufen, dann eher Zertifikate, die ihnen oft zumindest den Erhalt ihres Kapitals garantieren. Der zweite Belastungsfaktor, mit dem die Fondsbranche kämpft, ist die oft schwache Rendite oder härter gesagt: ihre eigene schlechte Leistung. Ratinggesellschaften zufolge schneiden 70 Prozent der aktiv gemanagten Fonds schlechter als ihre Vergleichsindizes ab – da kann es nicht überraschen, dass immer mehr Anleger dafür nicht auch noch relativ hohe Gebühren bezahlen wollen. Wer dem Aktienmarkt traut, zieht die billigeren Indexzertifikate vor, die Börsenindizes abbilden. Das Jahr 2006 scheint ihnen Recht zu geben: Die deutschen Aktienfonds zum Beispiel, die noch immer ein Kerninvestment für heimische Fondssparer sind, haben sich 2006 wie bereits 2005 im Durchschnitt schlechter entwickelt als der deutsche Standardaktienindex Dax.

Die Fondsbranche tritt nun die Flucht nach vorn an und versucht, die Anleger über „strukturierte Produkte“ wiederzugewinnen. Mit diesen verschiedenen Arten von Fonds und Fondsmischungen, die über Derivate, auch Zertifikate in Auf-, Seitwärts- wie Abschwungphasen der Märkte Geld einbringen sollen, ahmen die Anbieter die Zertifikatewelt nach. Viele Fonds garantieren den scheuen Anlegern ihren Kapitaleinsatz, natürlich gegen eine bei Garantieprodukten übliche saftige Gebühr. Strukturierte Fonds streben zudem oft eine feste Rendite im Jahr an. Einige Anbieter wie der deutsche Marktführer DWS verkaufen bereits selbst Zertifikate. Dieser Weg scheint aussichtsreich: Fonds mit Kapitalgarantie konnten ihre Mittelzuflüsse 2006 immerhin auf vier Milliarden Euro gut verdreifachen, sie waren damit die dynamischste Fondsgruppe für private Anleger. Im Endeffekt kommt es zu einer Konvergenz zwischen Fonds und Zertifikaten.

Nur Spezialisten unter den Gesellschaften dürften weiter als Anbieter traditioneller Fonds erfolgreich sein. Statt als Produktgruppen-Anbieter aufzutreten, dürften sich Fondshäuser künftig stärker als Vermögensverwalter des kleinen Mannes positionieren, die neben Fonds vielleicht auch andere Produkte wie Zertifikate feilhalten. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS, oft führend im Aufgreifen neuer Trends, betont genau diese Linie mit ihrem Vorstoß in die Zertifikatewelt. Anleger suchen offenbar für ihre private Vermögensverwaltung traditionelle, aktiv gemanagte Fonds nur noch als einen Baustein neben ETFs, Zertifikaten, alternativen Anlagen. Mit Blick auf den immensen Nachholbedarf in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge bedeutet dies für Fonds-Vermögensverwalter, mit neuem, auf Kundengruppen ausgerichtetem Profil eine Chance – aber wohl auch die einzige, die sie haben.

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