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31.01.2005

07:16 Uhr

Markieren diese Wahlen den entscheidenden Schritt heraus aus jenem Irak, der zwar den Diktator Saddam Hussein losgeworden, aber in der Zukunft noch nicht angekommen ist? Vielleicht. Zumindest steht fest, dass eine große Mehrheit der Iraker gewillt ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Trotz der Todesdrohungen der Terroristen zu wählen erforderte ungeheuren Mut. Diesen Mut haben die Menschen aufgebracht. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Denn die „Irakisierung“ des politischen Systems – das vielleicht wichtigste Ziel der amerikanisch-britischen Besatzung – gelingt nur mit den Irakern. Die hohe Wahlbeteiligung allein lässt schon träumen, was vielleicht im Irak möglich wäre, ließen die äußeren Bedingungen ein halbwegs stabiles gesellschaftliches Leben zu.

Doch der Terror ist Bestandteil des Iraks. Und er wird es auch nach diesen Wahlen bleiben. Nur die unglaubliche Präsenz der Sicherheitskräfte hat den Urnengang erlaubt und für einen historischen Augenblick so etwas wie politische Normalität einkehren lassen. Denn das ist schon Normalität in Irak: ein Tag mit weniger als 50 Toten.

Wie kann es nun weitergehen nach diesem Erfolg? Es wird viel Weisheit der irakischen Politiker bedürfen, diese Chance nicht entgleiten zu lassen, sich nicht in Grabenkämpfen zwischen ethnischen und politischen Lagern zu verlieren. Denn die offenen Rechnungen zwischen Schiiten und Sunniten, Baathisten und Verfolgten zählen Millionen Tote. Der Terror könnte da sogar einigend wirken: Gegen ihn könnten sich die Kräfte verbünden, die versuchen wollen, den Irak aus dem Sumpf zu ziehen.

Es ist damit wohl die Stunde der Schiiten angebrochen. Die viele Dekaden unterdrückte Bevölkerungsmehrheit muss nun die Größe aufbringen, den politisch marginalisierten Sunniten die Hand zu reichen. Praktisch heißt dies, sunnitischen Politikern wichtige Ministerposten zu geben, sie im Sicherheitsapparat zu verankern, vor allem aber: ihnen zentralen Einfluss in der Verfassungskommission zu gewähren. Das ist viel verlangt, aber die einzige Chance.

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