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08.01.2007

05:04 Uhr

Israel

Abenteuerlicher Konsens

VonPierre Heumann

Es ist schon fast Routine: Eine Zeitung berichtet über israelische Pläne für einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm. Und die Regierung in Jerusalem streitet dies ab, weigert sich aber, die Behauptung näher zu kommentieren.

So war es auch gestern: Als die „Sunday Times“ getitelt hatte, Israel bereite einen Angriff auf Iran vor, kam kurz darauf nur ein Dementi. Doch es fällt nicht leicht, dem auch Glauben zu schenken. Denn regelmäßig drohen israelische Spitzenpolitiker oder ranghohe Offiziere mit Gewalt. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ephraim Sneh wollte im November eine Militäroption gegen Iran als „letzte Möglichkeit“ nicht ausschließen. Im Oktober adressierte Premier Ehud Olmert eine ähnlich lautende Warnung an Teheran. Und Ex-Geheimdienstchef Zeev Farkasch sprach davon, dass Israel auch zum Einsatz „nicht-diplomatischer Mittel“ bereit sein müsse. Auch Generalstabschef Dan Halutz hegte vor Jahresfrist laut Zweifel an der Fähigkeit der Diplomatie, das Problem friedlich lösen zu können. Auf die Frage, wie weit Israel gehen würde, um Irans Atompläne zu stoppen, meinte er lapidar: „2 000 Kilometer“.

Systematisch wird die israelische Öffentlichkeit auf einen möglichen Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen vorbereitet. Kaum ein Tag vorgeht, ohne dass Spitzenpolitiker, Generale, Geheimdienstler oder sicherheitspolitische Denkfabriken über militärische Optionen sinnen. Sie evaluieren Möglichkeiten, wägen deren Konsequenzen ab. Sie mögen sich über die Details zwar streiten, aber in einer Frage herrscht ein abenteuerlicher Konsens: dass sich das iranische Regime mit diplomatischen Mitteln allein die Bombe nicht ausreden lasse.

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