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18.01.2007

05:38 Uhr

Israel

Olmert vor dem Ende

VonEwald Stein

Spät, aber immerhin: Der Generalstabschef der israelischen Streitkräfte hängt seine Uniform in den Schrank. Dan Haluz zieht damit die Konsequenzen aus der gescheiterten Militäroperation im Libanon.

In der Tat, das Kriegsglück war dem General im Sommer letzten Jahres alles andere als hold. Weder wurde die Hisbollah entscheidend geschwächt, noch konnten die von den islamistischen Milizen verschleppten israelischen Soldaten befreit werden. Stattdessen wurden gravierende Fehlentscheidungen getroffen. Das Bombardement im Süden Beiruts, dem überwiegend Zivilisten zum Opfer fielen, darf nicht als Kollateralschaden bagatellisiert werden. Aber trotz des Rücktritts kann an der Einsicht des Generals gezweifelt werden. Denn die Demission erfolgte nur scheinbar freiwillig. Im kommenden Monat soll der Bericht einer Untersuchungskommission präsentiert werden, der vor allem dem Armeechef eine Fülle krasser taktischer Fehler unterstellen soll. Somit wäre er ohnehin fällig geworden.

Nun bedeutet sein Abschied keineswegs nur einen Wechsel an der Spitze der Streitkräfte. Denn auch in Israel unterliegen Soldaten dem Primat der Politik. Und dies heißt eben, dass letztlich die Regierung in Jerusalem, allen voran der Premier und dessen Verteidigungsminister, die Verantwortung für den missglückten Feldzug im Zedernland trägt. Folgt man also der politischen Logik, müssten Premier Ehud Olmert und Verteidigungsminister Amir Peretz ihre Hüte nehmen. Ob und wann sie sich dazu entschließen, ist zwar noch offen. Fehlt die Einsicht, wird die politische Dynamik sie dazu zwingen, zumal sich der Premier auch Korruptionsvorwürfen stellen muss. Bei einer vorgezogenen Neuwahl wird Olmert denn auch keine Chance eingeräumt. Noch könnte er sich an seinem bisherigen Generalstabschef ein Beispiel nehmen.

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