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26.07.2012

00:00 Uhr

Italien

Der lange Schatten Berlusconis

VonKatharina Kort

Mario Monti macht vieles richtig. Doch Investoren fliehen panisch aus italienischen Aktien. Die Sorge: Berlusconi könnte an die Spitze des Landes zurückkehren. Die Märkte befürchten Schlimmstes.

Mit Diät und Sport bereitet er sich auf ein mögliches Comeback vor. Die Märkte fürchten eine Rückkehr Berlusconis. dapd

Mit Diät und Sport bereitet er sich auf ein mögliches Comeback vor. Die Märkte fürchten eine Rückkehr Berlusconis.

Italiens Problem heißt nicht Mario Monti, sondern Silvio Berlusconi. Schon wieder? Ja, schon wieder oder immer noch. Der amtierende Premier Monti ist in diesen Tagen verständlicherweise frustriert, dass die Märkte seine Arbeit so wenig anerkennen: Rentenreform, Liberalisierungen, Arbeitsmarktreform und nun bald milliardenschwere Budgetkürzungen und Vermögensverkäufe.

Die Skandale um Silvio Berlusconi - Eine Chronologie

Juni 2009

Die spanische Zeitung „El País“ veröffentlicht Bilder halb nackter Frauen auf Berlusconis Anwesen in Sardinien.

Oktober 2009

Ein Mailänder Gericht verurteilt Berlusconis Holding Fininvest wegen eines „gekauften Urteils“ beim Erwerb des Verlags Mondadori zu einem Schadenersatz in Höhe von 750 Millionen Euro an den Konkurrenten Cir SpA.

Mai 2010

Berlusconi setzt sich für die minderjährige „Ruby“ ein, nachdem sie unter Diebstahlsverdacht von der Polizei festgenommen wurde. Viele sehen darin einen Fall von Machtmissbrauch.

15. Juni 2010

Das Gericht der Europäischen Union entscheidet, dass Berlusconis Medienkonzern Mediaset und weitere Fernsehsender und Kabelbetreiber staatliche Beihilfen in Millionenhöhe zurückzahlen müssen. Mediaset soll bei der Umstellung von analogem auf digitales Fernsehen 2004 von der italienischen Regierung bevorzugt worden sein.

5. Juli 2010

Nach nur knapp drei Wochen im Amt erklärt der Minister für die Verwirklichung des Föderalismus, Aldo Brancher, vor Gericht, wo er sich wegen Hehlerei in einem Bankenskandal verantworten muss, seinen Rücktritt aus der italienischen Regierung. Berlusconi hatte seinen langjährigen Vertrauten und einstigen Manager seiner Firma Fininvest ins Kabinett geholt, um ihn damit der Justiz zu entziehen. Am 28. Juli wird Brancher wegen Hehlerei zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

17. Oktober 2010

Die Zeitung „La Repubblica“ veröffentlicht einen Bericht über merkwürdige Finanztransfers von Berlusconi. Er soll zwischen 2005 und 2009 mehr als 20 Millionen Euro über eine schweizerische Bank an die Offshore-Gesellschaft Flat Point in Antigua überwiesen haben, wobei der Zweck der Zahlungen als suspekt gilt.

6. April 2011

Vor einem Gericht in Mailand beginnt der Prozess gegen Berlusconi wegen einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen und wegen Amtsmissbrauchs. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ministerpräsidenten vor, in 13 Fällen Sex gegen Bezahlung mit der damals 17-jährigen Marokkanerin „Ruby“ gehabt und später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um den Fall zu vertuschen.

9. Juli 2011

Ein Berufungsgericht in Mailand verurteilt das Familienunternehmen von Berlusconi wegen Korruption zur Zahlung von 560 Millionen Euro an eine Konkurrenzfirma. Bei der Übernahme des Verlags Mondadori sollen Mitarbeiter von Berlusconis Fininvest-Holding einen Richter bestochen haben. Mit seiner Entscheidung bestätigt das Berufungsgericht ein Urteil von 2009 aus einer niedrigeren Instanz. Die Richter reduzieren jedoch den Schadenersatzanspruch von ursprünglich 750 Millionen Euro.

1. September 2011

Der Geschäftsmann Gianpaolo Tarantini wird wegen mutmaßlicher Erpressung von Berlusconi festgenommen. Der Unternehmer hatte eingeräumt, Prostituierte für Partys im Anwesen des Politikers engagiert zu haben. Nun wird er verdächtigt, Schweigegeld für seine Kooperation bei laufenden Ermittlungen gefordert zu haben.

Am selben Tag wird bekannt, dass der Regierungschef in einem abgehörten Telefongespräch über sein Land herzog. „In ein paar Monaten verschwinde ich aus diesem Scheißland, von dem mir schlecht wird“, soll der Regierungschef gepoltert haben. Das sei eines dieser Dinge, die man am späten Abend mit einem Lächeln sage und nicht ernst meine, wurde er kurz darauf von italienischen Medien zitiert.

17. September 2011

Oppositionspolitiker fordern Aufklärung darüber, ob Berlusconi tatsächlich Prostituierte in Regierungsflugzeugen zu seinen Privatpartys eingeflogen habe. Italienische Medien veröffentlichten Mitschriften aus abgehörten Telefonaten, die aus Ermittlungen gegen Tarantini stammen. Dieser soll Frauen für Sex mit Berlusconi bezahlt haben. Den Mitschriften zufolge prahlte Berlusconi damit, in einer Nacht „nur mit acht Frauen“ geschlafen zu haben, als elf vor seiner Zimmertür Schlange gestanden hätten.

27. September 2011

Die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, dass Tarantini auf freien Fuß gesetzt wurde. Tarantini war zuvor unter dem Verdacht festgenommen worden, er habe Berlusconi erpresst. Wie ANSA meldet, sah es ein Gericht in Neapel als erwiesen an, dass es sich umgekehrt verhielt und Berlusconi den Unternehmer für Falschaussagen bezahlte.

12. November 2011

Wegen zu geringen Rückhalts unter den Abgeordneten tritt Berlusconi von seinem Amt als Regierungschef zurück.

4. April 2013

Ruby erklärt vor den Toren des Gerichts: „Ich hatte nie Geschlechtsverkehr gegen Geld und ich hatte nie Geschlechtsverkehr mit Silvio Berlusconi“. Sie fordert, im Prozess aussagen zu dürfen. Ihre Befragung war mehrfach verschoben worden.

13. Mai 2013

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Ex-Regierungschef eine Haftstrafe von sechs Jahren. Zudem soll ihm lebenslang verboten werden, öffentliche Ämter zu bekleiden.

17. Mai 2013

In einem Nebenverfahren sagt Ruby aus, sie habe sich bei den „Bunga-Bunga-Partys“ als 19-jährige Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak ausgegeben. Berlusconi hatte erklärt, er habe bei der Polizei angerufen, um diplomatische Probleme mit Kairo zu vermeiden.

31. Mai 2013

Im Nebenverfahren fordert die Anklage sieben Jahre Haft für drei Vertraute Berlusconis. Diese hätten die Frauen für die Feste organisiert und sich der Herbeiführung und Begünstigung der Prostitution Minderjähriger schuldig gemacht.

August 2013

Das höchste Gericht des Landes bestätigte die vierjährige Haftstrafe der unteren Instanz gegen den Unternehmer und Politiker. Das Ämterverbot für Berlusconi muss allerdings neu verhandelt werden. Der 77-jährige hat Berufung eingelegt.

Februar 2014

Erneuter Vorwurf gegen Berlusconi. Um seinen Vorgänger Romano Prodi zu stürzen, soll der Ex-Premier Senatoren bestochen haben. Das Ergebnis der Verhandlungen steht noch aus.

Er macht doch alles richtig, mehr als sein Vorgänger je geschafft hat. Und was bringt es ihm? Spreads, die zwischenzeitlich auf die Höhe von Berlusconis schlimmsten Zeiten schnellen. Investoren, die panisch aus italienischen Aktien fliehen. Am liebsten möchte man Monti auf die Schulter klopfen und sagen: „Es ist nicht deine Schuld. Silvio war's.“

Im Herbst hat Berlusconi unter dem Druck der Märkte abgedankt. Aber jetzt plant er sein Comeback. Er soll sich stundenlang Videos von Beppe Grillos Auftritten anschauen, dem erfolgreichen Blogger und Anführer der Bewegung „Cinque Stelle“, die bei den jüngsten Lokalwahlen abgeräumt hat. Außerdem umgibt er sich mit Social-Media-Experten, die ihn fit machen sollen für die neuen Generationen.

Das ist es, was die Märkte besorgt. Märkte schauen bekanntlich nach vorn und nicht nach hinten. Und vorn, also nach Monti, sehen sie politische Unsicherheit, wie die Ratingagentur Moody's in ihrer Begründung zur jüngsten Herabstufung des Landesratings schreibt. Und dabei haben Analysten wohl auch die Option Berlusconi im Kopf: den Politiker, der Italien in den vergangenen Jahren nicht reformiert hat und es international zurückfallen ließ. Dieser Politiker könnte wieder die Macht in Italien übernehmen.

Es ist nicht so sehr die Frage, ob ein PD-Chef Pier Luigi Bersani oder sein interner Herausforderer Matteo Renzi kandidieren oder ob Pier Ferdinando Casini von den Christdemokraten als Kompromisskandidat infrage kommt. Sie alle stünden mehr oder weniger für eine gewisse Kontinuität mit der Monti-Politik, die sie derzeit in einer breiten Koalition auch unterstützen. Es ist der Schatten des bald 76-jährigen Berlusconi, der die Gemüter der Investoren beunruhigt.

Auch bei Unternehmern und Managern klingt diese Sorge an. Berlusconi steht für jahrelangen Stillstand und populistische Steuergeschenke. Mit seiner Rückkehr wäre das Ende Italiens besiegelt, fürchten viele. Die Wähler aber könnten das anders sehen: Wenn Berlusconi etwas anpackt, dann macht er das professionell. Über die Mittel für die richtigen Berater verfügt er. Kommunikation versteht er wie kein anderer, auch wenn er sich in Sachen Internet und Social Media gerade ein wenig Nachhilfe holen muss.

Im Wahlkampf läuft Berlusconi zur Höchstform auf. Die Sexskandale interessieren schon keinen Italiener mehr. An seinem Look arbeitet er bereits mit Diät und Sport. Noch macht er ein Mysterium aus seinem Comeback. Aber es reicht, um die Märkte zu verunsichern. Die Autorin ist Korrespondentin in Mailand. Sie erreichen sie unter:

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.07.2012, 15:01 Uhr

wenn die IT den wieder wählen ist ihnen nicht zu helfen...

das wäre so als wenn wir kohl reaktiviern würden...

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