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19.04.2012

16:49 Uhr

Kolumne

Die neuen Weltwährungen

VonDavid Marsh

Die wichtigsten Signale für die künftige monetäre Rolle der Europäer gehen künftig von Peking und Tokio aus. Asien bereitet sich auf seine globale währungspolitische Verantwortung vor.

China und Japan bereiten sich auf eine währungspolitische Verantwortung vor. Reuters

China und Japan bereiten sich auf eine währungspolitische Verantwortung vor.

Zur gleichen Zeit, als der legendäre Finanzspekulant Georg Soros durch Berlin zog, um düstere Schreckensbotschaften über einen möglichen Niedergang der Währungsunion zu bekunden, weilte Alt-EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in London, um genau das Gegenteil zu propagieren. Die Hinweise sind von Interesse, aber über die Zukunft der Gemeinschaftswährung wird zunehmend auf außereuropäischen Spielplätzen entschieden.

Die wichtigsten Signale für die künftige monetäre Rolle der Europäer gehen jetzt nicht mehr von Berlin und London, sondern von Peking und Tokio aus. Diese Töne nehmen immer mehr den Charakter von Alarmsignalen an. Denn die beiden großen asiatischen Gläubigernationen lassen derzeit - leise, aber deutlich - die währungs- und finanzpolitischen Muskeln spielen.

Weder China noch Japan wollen den Verfall, geschweige denn (zumindest für die kommenden Jahre) das Verschwinden des Euros. Seine Existenz schützt die Asiaten vor einem Machtmissbrauch der USA, der Reservewährungsnation Nummer eins.

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF. PR

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF.

Dennoch bereitet man sich mit langem Atem in Peking und Tokio für den Ernstfall vor, der in einigen Jahren eintreten könnte. Nämlich für den Fall, dass der Euro doch auf der Weltwährungsszene als verzichtbar erscheint, wenn die inhärente politische Schwäche des Euros weiterhin anhält. In diesem Falle könnte nicht nur der in letzter Zeit von aller Welt hochgepriesene Yuan, sondern auch der während der japanischen Deflation der letzten 15 Jahre eher marginalisierte Yen eine viel stärkere Stellung auf der globalen Währungsbühne einnehmen.

Falls es den Euro-Mitgliedsländern nicht gelingt, die existenziellen Herausforderungen zu überwinden, dann wappnen sich die beiden asiatischen Staaten dafür, das dadurch entstehende Vakuum mit ihren Währungen zu füllen. Insofern warnt der ehemalige Notenbankchef Trichet zu Recht, wenn er letzte Woche bei zwei Veranstaltungen vor seinem Londoner Publikum betont, Europa müsse sich in der Stunde der Not entweder politisch und ökonomisch zusammenschweißen oder es sei in der Gefahr, in der weltweiten Konkurrenz hoffnungslos unterzugehen.

Kommentare (1)

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fherrmann

19.04.2012, 19:04 Uhr

Wann jemals, seit Anbeginn der Krise hat Trichet, Junkers, Barroso, Merkl, Sarkozy oder irgendein anderer dieser Brüssel-Marionetten und Volksverräter die Wahrheit gesagt?
Ich kann mich nur daran erinnern, daß immer das Gegenteil von dem eintrat, oder noch schlimeres passarte als das, was die kranken EURO-Ideologen vehement, während der gesamten Krise bisher von sich gegeben haben.

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