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10.02.2014

14:41 Uhr

Kommentar ADAC

Nicht die letzte Konsequenz

VonLukas Bay

ADAC-Präsident Meyer tritt ab, ohne die Verantwortung für die Skandale zu übernehmen. Damit hinterlässt er seinem Nachfolger ein schweres Erbe. Die Reform des größten deutschen Autoclubs wird umso schwerer.

ADAC-Zentrale in München: Der Rücktritt Meyers kam nach Einleitung eines Suspendierungsverfahrens. Reuters

ADAC-Zentrale in München: Der Rücktritt Meyers kam nach Einleitung eines Suspendierungsverfahrens.

Er rang. Er warb. Er appellierte. Nun hat ADAC–Präsident Peter Meyer doch seinen Hut genommen. Gut so. Denn Meyer war nicht glaubwürdig genug, um die neue Transparenzoffensive bei Europas größtem Autoclub auch durchsetzen zu können. Meyer selbst war es, der das System ADAC und damit die Skandale in seinen 13 Jahren an der Spitze des Autoclubs erst möglich gemacht hat. Sein Dienstflug mit einem Rettungshubschrauber lässt erahnen, wie sehr der Präsident in den Filz beim ADAC verstrickt war.

Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

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Selbstkritik lässt Meyer auch in seinem Rücktrittsscheiben vermissen. „Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften“, so Meyer, „möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden“. Dabei kann man es einem Präsidenten durchaus als Fehler auslegen, seinen eigenen Verein nicht mehr im Griff zu haben. Die Kontrolle der Führung durch die Führung schien beim ADAC nicht vorhanden zu sein. Bis zuletzt konnte der ADAC-Präsident nicht erklären, ob sein mittlerweile geschasster Pressechef Michael Ramstetter auch die Rangliste beim Autopreis „Gelber Engel“ gefälscht hatte. Bezeichnend, dass alleine externe Prüfer Licht ins Dunkle bringen können.

Auch Meyers persönliche Konsequenz kommt spät und wohl wenig freiwillig: Mit seinem Rücktritt kam er einem hausinternen Suspendierungsverfahren zuvor. Nachdem zuletzt der Druck aus der Politik zugenommen hatte und auch die Autohersteller auf Distanz zum Autoclub gegangen waren, fehlte dem ADAC-Präsidenten offenbar der Rückhalt im eigenen Haus. Er selbst betont dagegen, dass er die Entscheidung aus freien Stücken und vor allem wegen seiner vergeblichen Reformbemühungen getroffen habe. „Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben“, schreibt Meyer.

ADAC-Präsident tritt zurück: Flucht nach hinten

ADAC-Präsident tritt zurück

Flucht nach hinten

Auf die angekündigte Flucht nach vorne folgte der persönliche Rückzug: Der wegen der Manipulationsaffäre unter Druck geratene ADAC-Präsident Peter Meyer tritt zurück. Gleichzeitig werden weitere Schiebereien bekannt.

Ob eben jene „strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderung“ durch seinen Rücktritt schneller umgesetzt werden, darf allerdings bezweifelt werden. Denn Meyers Nachfolger dürfte es in jedem Fall schwer haben: Einem Unbekannten fehlt die nötige Hausmacht für grundlegende Reformen. Einem Granden aus der zweiten Reihe fehlt womöglich der Wille, um mit dem Filz aufzuräumen. Der Widerstand aus den Gremien dürfte auch einem neuen ADAC-Präsidenten entgegenschlagen.

Dabei sind gerade diese „sizilianischen Zustände“, die Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer beim Autoclub diagnostiziert, der Nährboden weiterer Skandale. Anders als in der Vergangenheit scheint der ADAC damit bei öffentlicher Kritik nur bedingt abwehrbereit: Forderungen, dem ADAC den Vereinsstatus abzuerkennen und seine Monopolstellung bei der Pannenhilfe kartellrechtlich zu hinterfragen, dürften auch nach Meyers Rücktritt nicht leiser vorgetragen werden. Und auch die Frage nach der demokratischen Legitimation der Führungsspitze ist weiterhin ungeklärt.

So richtig Meyers Rücktritt auch ist, er sollte nicht die einzige Konsequenz aus den Skandalen sein.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

10.02.2014, 15:17 Uhr

Sehr treffender Artikel.

Es bleibt "spannend". Wer wird wann die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfer zur Wahl des Gelben Engel vorstellen ? Oder wird man sich damit rausreden, jetzt erst mal einen neuen Präsidenten zu suchen ?

Es fällt schwer sich vorzustellen und daran zu glauben, dass sich der ADAC strukturell ohne erheblichen Druck und Einfluss von außen neu aufstellen könnte.

Account gelöscht!

10.02.2014, 16:42 Uhr

Längst überfälliger Schritt!

Durch das Verharren im Amt, Leugnen der eigenen Verantwortung hat Herr Meyer den Schaden für den ADAC potenziert. Kann ich als Chef nicht sicherstellen, dass die von mir geführte Organisation ihre Aufgaben satzungs- und rechtskonform und mit der notwendigen Integrität wahrnimmt, habe ich meinen Hut zu Nehmen, unabhängig ob Politik, Wirtschaft oder eben Verein.

Helfen kann dem Ansehen des ADAC m. E. nun nur noch die rückhaltlose Aufklärung durch einen - möglichst von Generalversammlung oder Gericht bestellten - unabhängigen Sachverständigen. Denn sollte man sich jetzt einen aus der Organisation aussuchen, so steht zu befürchten, dass die übergangenen "Filzionäre" häppchenweise weitere wenig schmeichelhafte Informationen lancieren.

Auch bin ich der Meinung, dass die Wirtschaftsinteressen in einer Holdinggesellschaft zusammengefasst werden und der Verein diese dann verkauft oder an die Börse bringt (HDI/Talanx-Modell); ich bin Mitglied geworden, um in Notfällen auf der Strasse oder im Urlaub professionelle Hilfe zu erhalten.

Auch die regelmässigen Tests von z.B. Winterreifen haben - bislang? - mir bei meiner Kaufentscheidung massgeblich geholfen. Auf Buch-, Reise-, Versicherungsangebote etc. kann ich hingegen verzichten; hier gibt es keine "Versorgungsengpässe". Auch muss der ADAC nicht unbedingt eigene Testlabore betreiben, die dann wie Unabhängige am Markt operieren (wes Brot ich ess, ...). Hier reicht, wenn nach vom ADAC vorgegebenen Kriterien Testinstitutionen (wie Universitäten, TÜV, DEKRA usw.)beauftragt werden. Bei eigenen Laboren sollte eine Teilnahme am offenen Markt nicht erfolgen.

Collie

10.02.2014, 18:52 Uhr

Den Gelbe Engel Wettbewerb und vergleichbare Wettbewerbe bei Autozeitschriften habe ich nie ernst genommen. Was für mich zählt ist die Zuverlässigkeit der echten gelben Engel auf der Stra0e und im Call-Center. Auf die konnte ich mich schon 3-mal verlassen. Sogar in der Provence. Deshalb bleibe ich ADAC Gold-Card Nutzer.

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