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27.03.2014

13:44 Uhr

Kommentar

Air Berlin ist nur ein Spielstein für Etihad

VonTobias Döring

Deutschlands zweitgrößte Airline verschiebt erneut ihre Bilanzvorlage. Air Berlin arbeitet mit dem arabischen Geldgeber Etihad an einer Zukunft. Die Lösung ist kompliziert – um Gewinne geht es dabei aber nicht.

Etihad-Chef Hogan (l.) und Air-Berlin-Chef Prock-Schauer auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Januar: Geldgeber und Geldnehmer. Reuters

Etihad-Chef Hogan (l.) und Air-Berlin-Chef Prock-Schauer auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Januar: Geldgeber und Geldnehmer.

Die Blamage ist perfekt: Air Berlin hat seine Bilanzvorlage innerhalb einer Woche zum zweiten Mal kurzfristig verschoben. Bis spätestens Ende April soll nun Einblick in die Bücher für das Jahr 2013 gewährt werden. Es ist mit einem Verlust zu rechnen, der wohl zwischen 100 und 200 Millionen Euro liegen wird.

Doch das interessiert eigentlich nur noch am Rande. Denn Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft arbeitet an ihrer Zukunft. Die hat nur einen Namen: Etihad. Die Airline vom Golf ist schon jetzt größter Anteilseigner und Geldgeber von Air Berlin und will die Deutschen weiter unterstützen – komme was wolle. Im globalen Airline-Netzwerk der Araber, was über Deutschland, die Schweiz, Serbien, Indien und Australien bis zu den Seychellen reicht, ist Air Berlin der wichtigste Partner.

Die Fluggesellschaft ist bedeutender Zubringer für Etihad-Flüge und den Flughafen des Heimat-Emirats Abu Dhabi und damit Türöffner in Europa für die global denkenden Araber. Obwohl Etihad vor einem Einstieg bei der angeschlagenen italienischen Staatsairline Alitalia steht, ist an der Position von Air Berlin derzeit nicht zu rütteln.

Tobias Döring ist Unternehmensredakteur bei Handelsblatt Online Frank Beer für Handelsblatt

Tobias Döring ist Unternehmensredakteur bei Handelsblatt Online

Deshalb geht es bei den Gesprächen und Verhandlungen rund um die Zukunft der deutschen Airline momentan nicht um dass Ob, sondern ausschließlich um das Wie. Dass Air Berlin eine Zukunft hat und trotz des fünften Jahresverlusts in sechs Jahren sowie Schulden von mehr als 800 Millionen Euro am Leben erhalten wird, scheint klar.

Das Wie orientiert sich dabei an den Regeln des internationalen Luftverkehrs und am Status des börsennotierten Unternehmens. Etihad kann nicht einfach die Mehrheit bei Air Berlin übernehmen und dann durchregieren. Ausländische Investoren dürfen nicht mehr als 49,9 Prozent an einer europäischen Airline besitzen, denn sonst verliert diese ihre außereuropäischen Flugrechte. Air Berlin müsste den Betrieb runterfahren und wäre für Etihad nahezu wertlos.

Dass die deutsche Gesellschaft wiederum an der Börse notiert ist, macht es für die Araber nicht leichter. Dadurch ist Air Berlin transparent, es gibt Berichterstattungspflichten – Etihad kann nicht einfach Geld nachschießen.

In dieser Gemengelage versuchen Air Berlin und Etihad eine Lösung zu finden, mit der der Status als deutsche Fluggesellschaft erhalten bleibt und die Air Berlin außerdem frisches Geld in die Kassen bringt. Das klingt nicht nur kompliziert, diese Lösung gilt auch als die wahrscheinlichste, wie die erneute Verschiebung der Bilanzvorlage zeigt.

Kommentare (1)

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27.03.2014, 15:54 Uhr

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