Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2014

19:45 Uhr

Kommentar

Alles auf Merkel

VonStefan Kaufmann

Die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen hat die CDU aufgeschreckt. Aus Angst vor dem Machtverlust eröffnet die Union schon jetzt den Bundestagswahlkampf – und macht sich dafür völlig abhängig von ihrer Spitzenfrau. 

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

KölnWer folgt 2017 auf Angela Merkel als Kanzlerkandidatin der CDU? Ursula von der Leyen oder Thomas de Maizière? Die Antwort lautet höchstwahrscheinlich: Angela Merkel. Die CDU hat auf ihrem Parteitag in Köln den Bundestagswahlkampf eröffnet und Merkel soll sie führen. Ist das eine gute Nachricht für die CDU? Ja und Nein.

Ja, weil der Partei ihr Erfolgsgarant erhalten bleibt. Nein, weil die Partei den Zeitpunkt für eine Erneuerung zu verpassen droht.

Mit überragender Mehrheit haben die Delegierten Merkel als CDU-Vorsitzende bestätigt. Und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, voll des Lobes für die Kanzlerin, sagt auf der Bühne, wie sehr er sich auf den nächsten Bundestagswahlkampf mit Merkel freue. Die große Koalition ist gerade einmal ein Jahr alt – doch die CDU fokussiert sich schon auf das Wahljahr 2017.

CDU-Parteitag in Köln: Die Angela-Merkel-Show

CDU-Parteitag in Köln

Die Angela-Merkel-Show

Auf dem Parteitag in Köln feiert die CDU nicht nur ihre alte, neue Chefin Angela Merkel, sondern vor allem sich selbst. Dabei umschifft die Bundeskanzlerin das wichtigste Thema: Die AfD als möglichen Koalitionspartner.

Der Grund ist in Erfurt zu suchen. Die „Tragödie von Thüringen“, wie die CDU das Regierungsbündnis von Linkspartei, SPD und Grünen nennt, schreckt die Christdemokraten auf. Plötzlich ist Rot-Rot-Grün politische Realität und nicht mehr nur rechnerisch eine Alternative zu einer Union-geführten Koalition. Gegen das Linksbündnis hilft nur eine starke CDU, sagt Merkel in Köln. Was mitschwingt: Für eine starke CDU braucht ihr mich.

Und sie hat Recht. Die große Koalition hat den Mindestlohn beschlossen, die Rente mit 63 eingeführt – und die SPD-Minister wie Parteichef Sigmar Gabriel dadurch gut aussehen lassen. Dennoch sind die Zustimmungswerte der Sozialdemokraten bei rund 25 Prozent zementiert, der Abstand auf die Merkel-CDU ist unverändert hoch. Für die SPD dürfte es eine Horrorvorstellung sein, bei der Wahl 2017 ein weiteres Mal gegen Merkel anzutreten.

Das Problem: Der Erfolg könnte für die CDU teuer erkauft sein. Denn je länger Merkel die Partei dominiert, je mächtiger sie als Kanzlerin agiert, desto schwieriger wird es, die Nachfolger aufzubauen. Auch die inhaltliche Auseinandersetzung leidet, wenn stets die gleichen Männer und Frauen das Sagen haben. Auch dafür steht der konfliktarme Parteitag in Köln. Um sich klar zu machen, wie sehr eine Partei an den Folgen einer Endlosführung leiden kann, muss Merkel nur an ihren Mentor denken: Altkanzler Helmut Kohl.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr C. Falk

09.12.2014, 20:12 Uhr

Wenn sich Frau Merkel nur einen Fehler erlaubt, etwa wie Helmut Kohl am Ende seiner pol. Laufbahn oder wenn die ökonomische Entwicklung in Deutschland eine bedeutende Delle erleidet, ist die Union am Ende.

Warum ? Nach Merkel herrscht in der Union gähnende Leere
und "gähnend" kann hier durchaus im doppelten Wortsinn genommen werden.

Herr Peter Klose

09.12.2014, 20:18 Uhr

Da habe ich inhaltlich ja gerade fast identisch kommentiert im Artikel http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/cdu-parteitag-in-koeln-die-angela-merkel-show/v_detail_tab_comments/11095862.html?ajaxelementid=%23hcf-add-comment-id&pageNumber=0
Von einem etablierten Medium wie dem Handelsblatt wurde ich mir dann auch noch den konsequenten nächsten Schritt wünschen. Das wäre das Eintreten für eine Änderung des deutschen Wahlrechts, die *unendliche* Kanzlerschaften verhindert, wie es in den allermeisten entwickelten Demokratien Gesetz ist:
Maximal zwei Mal in Folge im mächtigsten Amt des Staates.

Herr Paul Mueller

10.12.2014, 09:36 Uhr

Im Grunde ist Merkel jetzt nicht anderes als Kohl im Endstadium: Verbohrt, engstirnig, überheblich, dekadent, abgehoben, von Lobbyisten korrumpiert, weltfremd.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×