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17.07.2012

10:26 Uhr

Kommentar

Altmaier muss Lösungsvorschläge liefern

VonKlaus Stratmann

Bundesumweltminister Peter Altmaier hat mit gebotener Ehrlichkeit auf die Konstruktionsfehler des aktuellen Energiewendekonzepts hingewiesen. Doch in Zukunft wird er selbst einen besseren Fahrplan entwickeln müssen.

Klaus Stratmann ist stellvertretender Leiter des Parlamentsbüros. Pablo Castagnola

Klaus Stratmann ist stellvertretender Leiter des Parlamentsbüros.

Peter Altmaier hat es nicht leicht. Der Bundesumweltminister ist seit ein paar Wochen für wesentliche Bausteine der Energiewende zuständig und musste schnell erkennen, dass vieles nicht zusammenpasst und manche Ziele schlicht illusorisch sind. Altmaier tut nun das, was jeder Manager und jeder Politiker tun muss, der ein neues Spitzenamt übernimmt und viele unerledigte Aufgaben vorfindet: Er rechnet sich arm und weist auf die Probleme hin, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Seine Analyse ist schonungslos und in vielerlei Hinsicht zutreffend.

Doch damit ist es nicht getan. Der CDU-Politiker muss einen neuen Kurs einschlagen. Bislang ist dieser neue Kurs nicht klar zu erkennen. Das muss sich schnell ändern. Wer heute die Eckpunkte der vor gut einem Jahr beschlossenen Energiewende liest, bemerkt schnell: Hier wurden sehr ehrgeizige Ziele formuliert, der Weg zur Zielerreichung dagegen wird nur angedeutet.

Viele Akteure der betroffenen Branchen sind mittlerweile ratlos. Sie sollen handeln und milliardenschwere Investitionen tätigen, doch die Rahmenbedingungen sind unklar. Ein Beispiel aus der Praxis: Integraler Bestandteil des Regierungskonzeptes für die Energiewende sind Gaskraftwerke.

Sie sind optimal geeignet, um immer dann einzuspringen, wenn die erneuerbaren Energien kurzfristig ausfallen, weil der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint. Wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter schnell voranschreitet und die Atomkraftwerke wie von der Bundesregierung geplant schrittweise vom Netz gehen, müssen neue Gaskraftwerke her.

Doch für potenzielle Investoren fehlt im Moment der Anreiz, diese neuen Gaskraftwerke zu bauen. Selbst bestehende Gaskraftwerke werden vom Netz genommen, weil sich ihr Betrieb nicht mehr lohnt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die erneuerbaren Energien genießen Einspeisevorrang: Erst wird der Strom, den Windräder, Photovoltaikanlagen oder Biomasse-Kraftwerke produzieren, in die Netze geleitet.

Konventionelle Kraftwerke füllen die Lücken, die übrig bleiben. Da der Anteil der Erneuerbaren stark steigt, kommen die konventionellen Kraftwerke immer seltener zum Einsatz. Es lohnt sich aber nicht, ein Kraftwerk zu bauen, das jährlich nur wenige Hundert Stunden im Einsatz ist. Wie lässt sich der Bau von Gaskraftwerken anreizen, ohne den Ausbau der erneuerbaren Energien zu gefährden?

Kommentare (7)

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Leopold

17.07.2012, 10:55 Uhr

Er wird sich wohl bis zur Wahl durchwursteln müssen. Denn er kann ja auch nicht sagen, dass die Entscheidung seiner Kanzlerin falsch war. Weil einfach zu teuer!

ex_Kamikaze

17.07.2012, 11:48 Uhr

Es gerht nicht einfach nur um Geld. Die neuen Energieerzeugungsarten sind zu ineffizient, sie erzeugen nicht genug Energie und die Energiegewinnung ist schlicht zu teuer. Desweiteren rechnet sicht der Einsatz neuer Gastkraftwerke als Lückenbüßer kaum.
Das Ergebnis ist eine Katastrophe: Strom wird für die Bürger teurer und auch die Industrie wird den erhöhten Preis auf ihre erzeugten Güter umschlagen müssen.
Da wegen der eingschränkten Speicherbarkeit von Energie und der unzureichenden Erzeugung speziell in Spitzenzeiten die Lieferbarkeit nicht garantiert werden kann gehört das Ganze auf den Prüfstand und noch ehrlichere Worte: die "Energiewende" ist mit den heute möglich Technologien schlicht auszuschließen, das Projekt ist in dieser Form gescheitert. Kein noch so geniales "Konzept" wird die Widersprüche ohne Rolle rückwärts auflösen können.

SteuerKlasseEins

17.07.2012, 11:58 Uhr

Die merkelsche Planwirtschaft hat sich verplant. Welch ein Wunder, bedenkt man doch, wie "gut" die Planwirtschaft in der DDR funktioniert hat.

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